Uhrengröße fürs Handgelenk: welche Größe wirklich passt.
Im Netz widersprechen sich die Größentabellen für Armbanduhren oft um mehrere Millimeter, und keine nennt ihre Quelle. Dieser Ratgeber setzt stattdessen auf genormte Körpermaße, die Geometrie der Uhr und einen Passform-Check zum Selbertesten. So finden Sie die Größe, die wirklich zu Ihrem Handgelenk passt.
Die passende Uhrengröße hängt weniger vom Durchmesser ab als von der Länge der Uhr von Horn zu Horn. Die sollte nicht über die flache Oberseite des Handgelenks hinausragen. Eine belegte Formel aus dem Handgelenkumfang gibt es nicht. Orientierung gibt die DIN 33402-2: Der Handgelenkumfang liegt im Median bei 17,5 Zentimetern bei Männern und 16,5 bei Frauen. Sicherheit bringen Schablone, eigene Uhr und Anprobe.
Passform-Check
Liegt die Uhr auf Ihrem Handgelenk auf?
Zwei Maße genügen: die Breite der flachen Oberseite Ihres Handgelenks und die Länge der Uhr von Horn zu Horn. Der Check zeigt, ob die Bandanstöße auf der Auflagefläche enden oder darüber hinausragen.
Die Regel dahinter: Die Länge der Uhr von Horn zu Horn sollte nicht über die flache Oberseite des Handgelenks hinausragen. Wie Sie beide Maße nehmen, steht in Kapitel II und Kapitel IV.
Liegen Länge und Auflagefläche weniger als 3 mm auseinander, gilt der Grenzbereich. Die 3 mm sind ein Anhaltspunkt: In der Vermessung der US-Armee (ANSUR II) gilt beim Handgelenkumfang eine Abweichung von 3 mm noch als zulässig, für die Breite gibt es keinen eigenen Wert.
Schablone zum Ausdrucken (PDF, A4, 1:1) Kreise von 34 bis 46 mm, Längenstreifen von 44 bis 54 mm, Papierlineal und Prüfkreis für eine 2-Euro-Münze.
Welche Uhrengröße passt? Die kurze Antwort.
Entscheidend ist, ob die Uhr von Horn zu Horn auf die flache Oberseite des Handgelenks passt. Der Durchmesser ist dabei nur ein grober Anhaltspunkt.
Eine Norm, eine Studie oder eine Vorgabe eines Uhrmacherverbands zur „richtigen" Uhrengröße gibt es nicht. Es gibt Herstellerseiten, Händlerratgeber und Erfahrungen aus Foren. Die gängigen Zahlen sind Mittelwerte des Geschmacks, viele davon noch aus der Zeit besonders großer Uhren zwischen den 1990er- und 2010er-Jahren.
Auch Funktionsnormen wie ISO 6425 für Taucheruhren regeln nur technische Eigenschaften wie Wasserdichtigkeit, nicht die Größe zum Handgelenk. Fachmagazine wie Fratello, Monochrome oder Worn & Wound warnen deshalb ausdrücklich davor, einzelne Zahlen absolut zu setzen: Passform ist immer eine Kombination mehrerer Maße.
Was sich stattdessen belegen lässt, sind drei Dinge:
- Ihre eigenen Körpermaße, gemessen an der Stelle, an der die Uhr später sitzt (Kapitel II).
- Die Länge der Uhr von Horn zu Horn gegen die Breite der Auflagefläche Ihres Handgelenks (Kapitel IV, dazu der Passform-Check oben).
- Der Vergleich mit einer Uhr, die Ihnen bereits gut sitzt (Kapitel IX).
Als grober Startkorridor gilt: Bei 17 Zentimetern Umfang landen gängige Größenratgeber meist zwischen 38 und 42 Millimetern Durchmesser. Einig sind sie sich aber nur in der Mitte dieser Spanne. Wie zuverlässig dieser Korridor ist, zeigt Kapitel V.
Wollen Sie sofort prüfen, ob eine bestimmte Uhr auf Ihr Handgelenk passt, nutzen Sie den Passform-Check oben.
Handgelenk messen: Umfang und Auflagefläche.
Messen Sie zwei Dinge: den Umfang und die Breite der flachen Oberseite Ihres Handgelenks, und zwar genau dort, wo die Uhr später sitzt.
Umfang. Die US-Armee misst in ihrer Körpervermessung ANSUR II mit dem Maßband senkrecht zur Unterarmachse über den untersten Punkt der Speiche (der Knochen auf der Daumenseite). Die Handfläche zeigt dabei nach oben. Ein zweites gebräuchliches Maß misst dagegen an der schmalsten Stelle des Handgelenks, das ergibt andere Werte. Auch Hersteller nennen unterschiedliche Stellen: Longines empfiehlt die schmalste Stelle, Garmin rät, die Uhr oberhalb des Handgelenkknochens zu tragen.
- Die Stelle wählen, an der die Uhr später sitzt.
- Das Maßband dort anliegend, aber nicht einschnürend umlegen. Ohne Maßband tun es auch ein Papierstreifen oder eine Schnur.
- Den Wert am Lineal ablesen.
Manche Ratgeber rechnen für einen lockeren Sitz 1 bis 2 Zentimeter hinzu. Das ist aber schon Bandlänge, kein Handgelenkmaß.
Selbst bei der Körpervermessung ANSUR II gilt für geschulte Messer beim Handgelenkumfang eine Abweichung von 3 Millimetern noch als zulässig. Eine Heimmessung auf den Millimeter ist also nicht realistisch.
| Gruppe | 5 % darunter | Median | 5 % darüber |
|---|---|---|---|
| Männer, Deutschland (DIN 33402-2) | 16,0 cm | 17,5 cm | 19,0 cm |
| Frauen, Deutschland (DIN 33402-2) | 15,0 cm | 16,5 cm | 18,0 cm |
| Männer, US-Armee (ANSUR II) | 16,2 cm | 17,6 cm | 19,1 cm |
| Frauen, US-Armee (ANSUR II) | 14,2 cm | 15,4 cm | 16,8 cm |
Der Median ist der Mittelwert der Reihe: Die Hälfte liegt darunter, die Hälfte darüber. Die DIN-Werte stammen aus der Ergonomischen Datensammlung der BAuA (2019) und gelten für die Wohnbevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren, auf 0,5 Zentimeter gerundet. ANSUR II erfasst dagegen Angehörige der US-Armee und misst über dem Speichenknochen, vor allem die Frauenwerte liegen dort niedriger. Rund 90 Prozent der Männer liegen zwischen etwa 16 und 19 Zentimetern.
Auflagefläche. Öffentliche Durchschnittswerte für die Breite des Handgelenks gibt es nicht, die Norm ISO 7250-1 führt am Handgelenk nur den Umfang. Zum Messen legen Sie ein Lineal oder das Papierlineal aus der Schablone quer über die Oberseite. Lesen Sie ab, wo das Handgelenk zu den Seiten hin abfällt. Ein schneller Test gelingt mit einer Scheckkarte: Ihre kurze Kante misst nach ISO/IEC 7810 genau 53,98 Millimeter. Quer aufgelegt sehen Sie sofort, ob rund 54 Millimeter auf der Oberseite Platz finden.
Warum beide Maße zählen: Der Umfang allein sagt wenig über die Form. Zwei Träger im deutschen Uhrforum maßen bei gleichem Umfang von 17 Zentimetern Breiten von 50 beziehungsweise etwa 60 Millimetern. Runde Handgelenke fallen zu den Seiten früher ab als flache.
Die vier Maße einer Uhr und wo sie im Datenblatt stehen.
Vier Maße bestimmen, wie eine Uhr am Handgelenk sitzt: Durchmesser, Länge von Horn zu Horn, Anstoßbreite und Höhe. Im Datenblatt heißen sie je nach Hersteller verschieden.
Bandanstöße sind die vier Fortsätze am Gehäuse, zwischen denen das Band sitzt. Von Spitze zu Spitze gemessen ergibt sich die Länge von Horn zu Horn, englisch Lug-to-Lug.
Eine klare Herstellerdefinition liefert Omega: Der Gehäusedurchmesser ist „die gesamte Breite des Uhrengehäuses ohne Krone und Drücker". Der Abstand der Bandanstöße ist „die gesamte Länge des Gehäuses vom oberen bis zum unteren Bandanstoß", das ist die Länge von Horn zu Horn. Die Anstoßbreite ist der Abstand zwischen den Bandanstößen, wo das Band sitzt. Die Gehäusehöhe misst von der Seite betrachtet die Dicke vom Boden bis zur Oberfläche des Glases.
| Hersteller | Angaben | Beispiel |
|---|---|---|
| Omega | Durchmesser, Länge, Anstoßbreite, Höhe | Seamaster Diver 300M: 42 / 49,90 / 20 / 13,56 mm |
| Seiko | Durchmesser, Lug-to-Lug, Höhe, Anstoßbreite | Prospex SPB453J1: 40 / 46,4 / 13,0 / 20 mm |
| Casio | Länge × Breite × Höhe statt Durchmesser | G-Shock GA-2100: 48,5 × 45,4 × 11,8 mm |
| Junghans | Durchmesser, Höhe, Bandbreite | max bill Automatic: 38 / 10 mm, Band 20 mm |
| Rolex | nur Durchmesser, ohne Angabe zur Krone | Submariner: 41 mm |
Bei Uhren mit integriertem Band weichen die Angaben zusätzlich ab. Tissot nennt bei der PRX mit 40 Millimetern Durchmesser statt eines Lug-to-Lug-Werts eine Länge von 39,50 und eine Breite von 40,00 Millimetern. Das ist nicht ohne Weiteres mit dem klassischen Abstand der Bandanstöße vergleichbar.
Eine öffentlich zugängliche Norm, die den beworbenen Durchmesser für Käufer festlegt, ist nicht bekannt. ISO 3765 regelt die Befestigung des Bands am Gehäuse mit Federstegen, DIN 8308 dagegen die Stoßsicherheit von Kleinuhren. Begriffe wie „Hornabstand" oder „Stegbreite" sind in Foren und Ratgebern verbreitet, aber keine Fachnorm.
Auch die Bandbreite ist keine freie Wahl: Sie ist durch das Gehäuse über die Anstoßbreite festgelegt. Dass sie oft etwa der Hälfte des Durchmessers entspricht, ist eine Proportion, keine Regel. Wie Sie die Anstoßbreite selbst messen, zeigt der Ratgeber Stegbreite messen.
Warum der Durchmesser täuscht: die Länge von Horn zu Horn.
Zwei Uhren mit demselben Durchmesser können mehrere Millimeter unterschiedlich lang sein, und diese Länge entscheidet, ob die Bandanstöße auf dem Handgelenk aufliegen.
| Modell | Durchmesser | Länge von Horn zu Horn | Höhe |
|---|---|---|---|
| Prospex SRPF77 | 45,0 mm | 47,7 mm | 13,2 mm |
| Prospex SPB103J1 | 45,0 mm | 52,6 mm | 12,9 mm |
| Prospex SPB249J1 | 38,0 mm | 46,2 mm | k. A. |
| Prospex SPB453J1 | 40,0 mm | 46,4 mm | 13,0 mm |
Gleicher Durchmesser, 4,9 Millimeter Unterschied in der Länge: Das zeigen die ersten beiden Zeilen. Umgekehrt liegen bei den unteren beiden Modellen 2 Millimeter mehr Durchmesser und eine praktisch gleiche Länge vor. Das Fachmagazin Worn & Wound schreibt dazu: Die Maßzahlen im Datenblatt sagen viel aus, aber nicht alles.
Die Geometrie dahinter ist einfach: Gehäuse und Bandanstöße sind starr. Liegt der Gehäuseboden auf, enden die Bandanstöße in einer festen Höhe. Fällt das Handgelenk unter den Hornspitzen weg, entstehen ein Spalt unter dem Band, ein steiler Bandwinkel und eine Neigung zum Kippen.
Revolution-Autor Adi Soon nennt die Länge von Horn zu Horn das Maß, das den Durchmesser an Nutzen weit übertrifft. Eine Lange 1 mit 38,5 Millimetern trage sich ähnlich wie eine 42-Millimeter-Uhr, weil ihre Bandanstöße fast gleich weit reichen. Time+Tide schreibt: Eine Uhr kann nie zu breit für den Arm sein, aber zu lang für das Handgelenk. Auch die Rolex Submariner ist ein Beispiel: 2020 wuchs sie von 40 auf 41 Millimeter, wirkt laut Monochrome durch schmalere, stärker abgewinkelte Bandanstöße trotzdem kompakter.
Eine Einschränkung bleibt: Die Zahl im Datenblatt ist nicht alles. Form und Winkel der Bandanstöße sowie die Form des Gehäusebodens verändern die wirksame Länge. Bei Metallbändern verlängern starre Endglieder die Uhr zusätzlich. Fratello beschreibt an der Speedmaster auf einem 17 Zentimeter großen Handgelenk den Unterschied zwischen langen und kurzen Endgliedern als Unterschied zwischen „unbeholfen" und „großartig" sitzend. Prozentregeln zwischen Länge und Handgelenkbreite gibt es dafür nicht.
Wie Sie das an einer konkreten Uhr prüfen, zeigt der Passform-Check oben.
Was die Größentabellen im Netz taugen.
Größentabellen im Netz taugen als grober Suchkorridor, nicht als Grenzwert: Keine legt ihre Daten offen, und sie widersprechen sich um bis zu 13 Millimeter.
Die verbreitete Faustformel lautet „Handgelenkumfang in Zentimetern mal 2,3 gleich Durchmesser in Millimetern". Sie geht auf eine seit Jahren kursierende, nie offengelegte Auswertung von 80 Angaben aus Uhrenforen zurück, verbreitet über ein Uhrenblog. Ein fester Faktor passt an den Rändern nicht. Ein Leser mit 22,5 Zentimetern Umfang käme rechnerisch auf 52 Millimeter, trägt aber in der Praxis 42 bis 43 Millimeter.
| Quelle | 16 cm | 17 cm |
|---|---|---|
| Laco (Hersteller) | 38 bis 41 mm | 39 bis 42 mm |
| Longines (Hersteller) | 36 bis 42 mm (unter 16 cm: 32 bis 36 mm) | 36 bis 42 mm |
| Faustformel „mal 2,3" | 36,8 mm | 39,1 mm |
| sieben deutschsprachige Größenratgeber und -rechner | 31 bis 44 mm | 32 bis 45 mm |
Longines' Tabelle ist eine Herstellerempfehlung ohne offengelegte Datengrundlage.
Am Ende entscheidet oft der Geschmack, nicht die Anatomie. Im russischen Uhrenforum watch.ru nennen Träger mit 16,5 bis 17,5 Zentimetern Umfang Wohlfühlgrößen von 36 bis 45 Millimetern. Einer schreibt, seine Ansprüche seien erst durch das Lesen des Forums gewachsen. Wie unterschiedlich das bei praktisch demselben Umfang ausfällt, zeigen einzelne Beiträge aus diesem Forum. Bei rund 17,3 Zentimetern trägt ein Nutzer 44 Millimeter. Ein anderer mit 17,5 Zentimetern hält 42 Millimeter schon für zu groß und bevorzugt 36. Ein Dritter mit 17 Zentimetern findet 40 Millimeter bereits klein. aBlogtoWatch-Gründer Ariel Adams schreibt: Größenvorlieben hängen stärker an Kultur und Mode als an Zweckmäßigkeit.
Tabellen zeigen, wo andere landen. Ob eine bestimmte Uhr wirklich passt, zeigt die Länge.
Von 36 auf 44 Millimeter und wieder zurück.
Die „normale" Uhrengröße hat sich in gut hundert Jahren zweimal verschoben, und viele Größentabellen stammen noch aus der Zeit besonders großer Uhren.
Herrenuhren lagen früher lange bei 35 oder 36 Millimetern, schreibt WatchTime. Gear Patrol nennt 33 bis 36 Millimeter, bis stilistische Ausreißer und sportliche Modelle größer wurden. Tudors erste Taucheruhr, die Referenz 7922 von 1954, hatte 37 Millimeter. Erst 1993 brachte Panerai die 44-Millimeter-Luminor erstmals für zivile Kunden. Ab den frühen 2000er-Jahren waren laut WatchTime 44 Millimeter bei Sportuhren üblich, 46 Millimeter keine Seltenheit.
Ab etwa 2015 setzte die Umkehr ein. IWC brachte 2016 die Mark XVIII mit 40 statt 41 Millimetern. Rolex holte die Explorer 2021 von 39 zurück auf 36 Millimeter. Bei Panerai steht einer Luminor Marina von 2015 mit 47 Millimetern eine Luminor GMT von 2023 mit 40 Millimetern gegenüber. Zur Messe Watches and Wonders 2026 bilanzierte Monochrome: Der neue Standard für Herrenuhren liegt zunehmend zwischen 36 und 39 Millimetern. Ganz einheitlich ist der Trend aber nicht: Die Rolex Submariner wuchs 2020 auf Kundenwunsch von 40 auf 41 Millimeter. Aktuelle Kataloge zeigen weiterhin die ganze Bandbreite. Die Oyster Perpetual etwa gibt es parallel in 28, 31, 34, 36 und 41 Millimetern. Auch geografisch ist der Geschmack nicht einheitlich: Laut WatchTime funktionieren 36 bis 39 Millimeter in Asien oft besser als Durchmesser ab 44 Millimetern.
Eine Größentabelle aus den 2010er-Jahren zeigt vor allem den Geschmack dieser Jahre, nicht die für Sie passende Größe.
Damenuhr, Herrenuhr, Unisex.
Das Geschlecht sagt wenig über die passende Uhrengröße, denn die Handgelenke von Frauen und Männern überschneiden sich stark.
Laut DIN 33402-2 liegt der Median bei Frauen bei 16,5, bei Männern bei 17,5 Zentimetern. Die Spannen von 15,0 bis 18,0 und 16,0 bis 19,0 Zentimetern überlappen deutlich. Viele Frauen und Männer liegen also im selben Zentimeterbereich. Die Körpervermessung ANSUR II misst bei Frauen niedrigere Werte, sie erfasst allerdings Soldatinnen der US-Armee und nicht die Wohnbevölkerung.
Auf rolex.com ordnet Rolex in der Rubrik „Man" Gehäuse von 36 bis 50 Millimetern ein. In der Rubrik „Woman" stehen 28 bis 37 Millimeter, nach eigener Zählung der Seiten. 36 Millimeter stehen in beiden Rubriken, sie sind also die Überlappungsgröße. Viele Marken vermeiden seit Mitte der 2010er-Jahre das Wort „Damenuhr", manche auch bei Modellen mit 33 Millimetern und weniger. Tudor brachte 2016 eine Black Bay mit 36 Millimetern, bewusst als Unisex-Uhr positioniert. 36 Millimeter gelten heute für Männer als klein, für viele Frauen dagegen als Mindestgröße.
Bei formellen Anlässen gilt oft eine eigene Größenlogik, die der Ratgeber Dress Watch und Größe erläutert.
Höhe, Lünette, Zifferblatt: was die Größe optisch verändert.
Neben Durchmesser und Länge verändern Höhe, Lünette, Zifferblattfarbe und Glasform, wie groß eine Uhr wirkt.
Laut Gear Patrol spielen Gehäuseform, Dicke, Zifferblattöffnung, Lage der Krone, Lünette, Bandanstöße und die Zifferblattfarbe mit hinein. Der Autor beschreibt seine eigene 35,5-Millimeter-Zodiac, die durch gewölbtes Glas und lange Bandanstöße deutlich größer wirkt, als sie ist. Ein helles Zifferblatt wirkt tendenziell größer als ein dunkles, so Gear Patrol. Dahinter steckt vermutlich die seit Galileo bekannte Irradiationstäuschung. Eine Studie im Fachjournal PNAS aus dem Jahr 2014 belegt das. Eine helle Fläche auf dunklem Grund wirkt größer als eine gleich große dunkle Fläche auf hellem Grund. Diese Täuschung wurde allerdings nie speziell an Uhren gemessen, sie lässt sich nur als Analogie übertragen. Eine ähnliche Beobachtung findet sich im russischen Uhrenforum watch.ru: Eine breite Lünette verkleinert das Zifferblatt optisch, und gebogene Bandanstöße erlauben eine etwas größere Uhr.
Bei der Höhe orientiert sich Longines an drei Gruppen, allerdings ohne eigene Datengrundlage. Das sind etwa 7 bis 9 Millimeter für schmale, 9 bis 12 Millimeter für mittlere und 12 bis 15 Millimeter für kräftige Handgelenke. Fratello ergänzt: Bandanstöße, die tiefer als der Gehäuseboden reichen, legen auch große Uhren flach auf das Handgelenk. Diese Faktoren wirken zusammen, deshalb können zwei Uhren mit demselben Durchmesser unterschiedlich groß wirken.
Für die Manschette gilt als grobe Richtschnur: Uhren mit flacher Bauhöhe um 10 Millimeter oder darunter gleiten meist unter eine normale Hemdmanschette. Maßhemden bieten dafür teils eine eigene Option: Proper Cloth nennt für die uhrentragende Seite eine Zugabe von 0,25 bis 0,75 Zoll.
Vor dem Kauf testen: Schablone, eigene Uhr, Foto.
Am sichersten vergleichen Sie die Wunschuhr mit einer Uhr, die Ihnen schon gut sitzt, oder mit einer 1:1-Schablone.
Eigene Uhr vermessen. Messen Sie mit Lineal oder Messschieber von Hornspitze zu Hornspitze und vergleichen Sie den Wert mit dem Datenblatt der Wunschuhr. Das berücksichtigt Ihre Handgelenkform und Ihren Geschmack automatisch, denn beides steckt schon in der gut sitzenden Uhr. Nennt der Hersteller der Wunschuhr keine Länge von Horn zu Horn, helfen Testberichte mit eigenen Messungen weiter.
Schablone. Drucken Sie die Schablone zum Ausdrucken in Originalgröße aus, also bei 100 Prozent und nicht „An Seite anpassen". Sie enthält Kreise von 34 bis 46 Millimetern, Längenstreifen von 44 bis 54 Millimetern und ein Papierlineal. Auch Hamilton und Omega bieten ähnliche Druckvorlagen zur Bandlänge an, jeweils mit dem Hinweis, in Originalgröße zu drucken. Prüfen Sie den Druckmaßstab mit einer Münze: Eine 2-Euro-Münze misst 25,75 Millimeter, eine 1-Euro-Münze 23,25 Millimeter. Die echte Uhr wirkt wegen ihrer Höhe etwas größer als das Papier, das sagt auch der Uhrenhersteller Laco zu seiner eigenen Schablone. Als Merkhilfe: Der Durchmesser der 2-Euro-Münze ist rund 11 Prozent größer als der der 1-Euro-Münze, fast genau der Schritt von 36 auf 40 Millimeter. Münzen sind flach und ohne Bandanstöße, es geht also nur um das Größenverhältnis.
Fotos. Nahaufnahmen mit dem Weitwinkel des Handys lassen die Uhr größer wirken, weil der geringe Abstand die Perspektive verzerrt. Fratello-Autor Robert-Jan Broer schreibt, dass Uhren auf Weitwinkelfotos vom Handy am Handgelenk sogar größer wirken können als in Wirklichkeit. Vergleichen Sie fremde Tragefotos deshalb nur, wenn die Handgelenkgröße angegeben ist, und machen Sie eigene Fotos aus Armlänge oder im Spiegel.
Anprobe. Probieren Sie zwei Größen direkt nacheinander, tragen Sie beide einige Minuten und winkeln Sie die Hand ab: Drückt dabei die Krone? Der Uhrenhersteller Circula empfiehlt zusätzlich zu prüfen, ob die Uhr flach aufliegt und die Bandanstöße nicht abstehen.
Sitz und Checkliste: woran Sie eine zu große Uhr erkennen.
Zu groß ist eine Uhr, wenn die Bandanstöße über die Oberseite des Handgelenks hinausragen. Gut sitzt sie, wenn sie weder drückt noch rutscht.
Position. Für Uhren mit Sensor geben Apple und Garmin eine klare Position vor: oberhalb des Handgelenkknochens, zum Ellenbogen hin. Für mechanische und Quarzuhren ist das eine Komfortfrage. Eindeutig formuliert heißt das: direkt oberhalb des Ellenköpfchens (der Knochenhöcker auf der Kleinfingerseite), also zum Ellenbogen hin. Das ist eindeutiger als die Angaben „vor" oder „hinter" dem Knochen. In einer Umfrage im deutschen Uhrforum mit 60 Teilnehmern trugen 68 Prozent die Uhr neben dem Knochen, 30 Prozent darüber.
Enge. Apple empfiehlt: nicht zu fest, nicht zu locker, mit Platz zum Atmen für die Haut. Zu eng reizt die Haut, zu locker scheuert das Band. Der Hersteller Hamilton empfiehlt, so viel Platz zu lassen, dass der kleine Finger zwischen Band und Handgelenk passt. Das ist ein Herstellerwert, keine Regel.
Wechselnder Umfang. Bei Hitze schwellen Hände durch die erweiterten Blutgefäße leicht an, feste Zahlen in Millimetern gibt es dafür aber nicht. Deshalb bauen Hersteller Feinverstellungen ein: Rolex Easylink verlängert das Band um etwa 5 Millimeter. Glidelock verlängert es um bis zu etwa 15 oder 20, Tudor T-fit in fünf Stufen um 8 Millimeter. Kürzen Sie ein Metallband deshalb mit etwas Spielraum und nicht auf kalter Haut. Hamilton etwa kürzt nach eigener Angabe genau auf das angegebene Maß, ohne Zugabe, wie der Ratgeber Uhrenarmband kürzen beschreibt.
Checkliste „zu groß?"
- Von oben gesehen ragen die Bandanstöße über die flache Oberseite hinaus.
- Zwischen Hornspitze und Haut bleibt ein Spalt, das Band steht ab.
- Die Uhr kippt oder rutscht zur Seite, obwohl das Band richtig eingestellt ist.
- Beim Abwinkeln der Hand drückt die Krone in den Handrücken.
- Die Uhr gleitet nicht unter die Manschette (mehr zur Höhe in Kapitel VIII).
Eine zu kleine Uhr ist kein Passformproblem, sondern Geschmack: Ablesbar und bequem bleibt sie trotzdem. Fratello testete mit drei Redakteuren zehn Uhren. Das Fazit eines Redakteurs: Ob eine Uhr zu groß oder zu klein ist, sei immer eine Frage der persönlichen Vorliebe.
