Uhrenarmband kürzen: so passen Sie ein Metallarmband selbst an.
Ein neues Armband ist eine Nummer zu groß, oder die Uhr rutscht am Handgelenk: Mit dem richtigen Werkzeug und der richtigen Richtung lässt sich das in wenigen Minuten korrigieren. Diese Anleitung zeigt, worauf es dabei ankommt, von der Pfeilmarkierung bis zur Frage, wann der Weg zum Fachmann die bessere Wahl ist.
Prüfen Sie zuerst die Bauart Ihres Armbands: Bei gesteckten Gliedern treiben Sie den Stift mit einem Stiftaustreiber gegen die Pfeilrichtung aus, entfernen meist ein bis zwei Glieder abwechselnd auf beiden Seiten der Schließe und drücken den Stift in Pfeilrichtung wieder bündig ein. Ein Fachgeschäft übernimmt das in wenigen Minuten für gewöhnlich für 10 bis 30 Euro.
Stift, Schraube oder Schiebeverschluss: welches Armband tragen Sie?
Bevor Sie irgendein Werkzeug in die Hand nehmen, lohnt ein Blick auf die Innenseite Ihres Armbands. Drei Bauarten sind verbreitet, und jede verlangt einen eigenen Weg.
Am häufigsten sind Glieder, die mit einem Stift gesteckt sind. Diese Bauart erkennen Sie an einem runden Loch an der Gliedseite, oft mit einem kleinen Pfeil daneben. Auch die Hörner Pulsar gehört mit ihrem massiven Edelstahlband zu dieser Bauart. Seltener, meist bei höherpreisigen Modellen, sind Glieder verschraubt: Hier sehen Sie statt eines Lochs einen schmalen Schlitz. Milanaise- und Meshbänder haben dagegen keine einzelnen Glieder zum Entfernen, ihre Länge stellen Sie über einen Schieber ein. Dazu mehr in Kapitel VI.
Eine zweite, unabhängige Frage ist, ob die Glieder massiv oder gefaltet sind. Massive Glieder sind aus dem vollen Metall gearbeitet, gefaltete (auch hohle) Glieder entstehen aus dünnem, gebogenem Blech und sparen dadurch Material. Beide Bauarten kommen sowohl gesteckt als auch verschraubt vor, massive Glieder und eine Presspassung gelten jedoch allgemein als die solidere Kombination, so ordnen es Fachhändler ein. Woran Sie insgesamt eine gute Verarbeitung erkennen, auch abseits des Armbands, lesen Sie im Ratgeber Woran erkennt man eine gute Uhr.
| Bauart | Erkennungszeichen | Werkzeug |
|---|---|---|
| Gesteckte Stifte | Rundes Loch an der Gliedseite, oft mit Pfeil | Stiftaustreiber (Hammer- oder Spindel-Variante) |
| Verschraubte Glieder | Schmaler Schlitz an der Gliedseite | Passender Präzisionsschraubendreher |
| Milanaise / Mesh | Feines Geflecht, kein einzelnes Glied sichtbar | Kleiner Schlitzschraubendreher, für den Schieber |
Wie viele Glieder müssen raus?
Wie viele Glieder Sie entfernen müssen, hängt vom Handgelenk ab, nicht von einer festen Zahl. Legen Sie das Armband probeweise an und schieben Sie einen Finger darunter: Passt er bequem, ohne dass die Uhr locker herumrutscht, ist die Länge richtig. Meist sind das ein bis zwei entfernte Glieder, gleichmäßig verteilt auf beide Seiten der Schließe.
Bevor Sie überhaupt ein Glied entfernen, lohnt ein Blick auf die Schließe selbst: Viele bieten mehrere kleine Löcher, in die sich der Federsteg für eine Feinjustierung versetzen lässt, ganz ohne Werkzeug am Glied. Reicht diese Anpassung nicht aus, geht es in den nächsten beiden Kapiteln um das passende Werkzeug und den eigentlichen Handgriff.
Das richtige Werkzeug.
Für das eigentliche Kürzen brauchen Sie einen Stiftaustreiber, manchmal auch Stiftausschläger genannt: einen dünnen, kegelförmigen Stift aus gehärtetem Stahl, der genau in das Loch am Glied passt. Es gibt ihn als einfaches Werkzeug für den Uhrmacherhammer und als Variante mit Schraubmechanismus, die den Druck ohne Hammerschlag aufbaut. Dazu brauchen Sie einen Halteklotz oder zumindest eine weiche Unterlage, damit das Armband beim Arbeiten nicht verrutscht, sowie eine feine Zange, um den gelösten Stift vollständig herauszuziehen, und ein kleines Gefäß für die Kleinteile. Die Stifte selbst bestehen meist aus Stahl und sind an einem Ende leicht geriffelt, dazu mehr im nächsten Kapitel.
Verwechseln Sie den Stiftaustreiber nicht mit dem Federstegwerkzeug: Sie brauchen es nur für den Wechsel des ganzen Armbands am Uhrengehäuse, nicht für das Kürzen der Glieder.
Federstegwerkzeug und Stiftaustreiber sehen sich ähnlich, haben aber unterschiedliche Aufgaben. Wie Sie ein komplettes Armband wechseln, lesen Sie im Ratgeber Uhrenarmband aus Leder.
Das habe ich bei meiner eigenen Pulsar gemacht, und es war unkompliziert: mit dem passenden Set das Armband im Halter fixiert, den Stiftaustreiber durchgeschoben, das Glied entnommen und den Stift wieder hineingedrückt. Der ganze Aufwand lag bei drei bis fünf Minuten. Mein einziger Tipp: Achten Sie auf die Pfeile auf dem Armband, damit Sie nicht in die falsche Richtung schieben.Aus der Praxis · Andre Hörner
Die Pfeile: in welche Richtung, und warum.
Kurz gesagt: Sie treiben den Stift immer entgegen der Pfeilrichtung aus, niemals in die Richtung, in die der Pfeil zeigt. Nahezu jede Anleitung nennt das, doch kaum eine erklärt, warum.
Der Stift ist an einem Ende leicht geriffelt, der Durchmesser dort minimal größer als am glatten Schaft. Diese Riffelung erzeugt eine Presspassung im Loch: Beim Einsetzen klemmt sich das geriffelte Ende fest und hält die beiden Glieder ganz ohne Gewinde zusammen. Der eingravierte Pfeil zeigt genau die Richtung, in die dieses geriffelte Ende ursprünglich hineingedrückt wurde. Drücken Sie beim Entfernen in dieselbe Richtung weiter, pressen Sie die Riffelung nur tiefer ins engere Loch. Setzen Sie den Stiftaustreiber stattdessen von der anderen Seite an, drücken Sie also gegen den Pfeil, schiebt sich der Stift denselben Weg zurück, den er gekommen ist.
Wird das Stiftende zu fest zugeschlagen, verformt es sich. Ein verquetschter Stift lässt sich danach selbst für einen Uhrmacher nur noch schwer entfernen. Arbeiten Sie deshalb in kleinen, kontrollierten Schlägen statt mit einem einzigen kräftigen.
Schritt für Schritt: Stiftglieder kürzen.
Mit Werkzeug und Wissen über die Pfeilrichtung geht es an die Umsetzung. So gehen Sie bei gesteckten Gliedern vor:
- Armband fixieren. Legen Sie es auf eine weiche Unterlage oder in einen Halteklotz und schützen Sie dabei das Zifferblatt gut.
- Werkzeuggröße wählen. Der Stiftaustreiber muss genau zum Lochdurchmesser passen, weder größer noch kleiner.
- Antippen. Setzen Sie den Austreiber entgegen der Pfeilrichtung an und lösen Sie den Stift mit kleinen, kontrollierten Schlägen.
- Herausziehen. Ziehen Sie den gelösten Stift mit einer feinen Zange vollständig heraus und nehmen Sie das Glied ab.
- Gegenseite wiederholen. Entfernen Sie auf der anderen Seite der Schließe die gleiche Anzahl Glieder, so bleibt die Schließe mittig und die Uhr sitzt gerade.
- Stift zurücksetzen. Drücken Sie den Stift in Pfeilrichtung bündig ein, bis nichts mehr über die Gliedkante übersteht.
✺ Wenn die Glieder verschraubt sind
Sehen Sie statt eines Lochs einen schmalen Schlitz an der Gliedseite, sind die Glieder verschraubt. Wählen Sie einen Präzisionsschraubendreher, dessen Klinge den Schlitz möglichst vollständig ausfüllt, und lösen Sie die Schraube mit ruhigem Druck gegen den Uhrzeigersinn. Spüren Sie ungewöhnlich viel Widerstand, könnte ein Tropfen Schraubensicherungslack im Gewinde stecken, wie ihn manche Hersteller bei Armbändern im oberen Preissegment einsetzen. Erzwingen Sie in diesem Fall nichts, sondern gehen Sie zum Fachgeschäft. Setzen Sie das Armband in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen und ziehen Sie die Schraube handfest, nicht mit voller Kraft, an.
Ohne Werkzeug: was geht, und was nicht.
Ganz ohne Werkzeug lässt sich nur ein Bandtyp anpassen: das Milanaise- oder Meshband. Es hat einen Schieber mit kleinen Einkerbungen auf der Rückseite. Mit einem kleinen Schlitzschraubendreher drücken Sie den Schieberverschluss hoch, verschieben ihn zur gewünschten Länge und drücken ihn an einer der vorgesehenen Kerben mit etwas Kraft wieder fest.
Bei einem klassischen Gliederarmband mit Stiften oder Schrauben raten wir von improvisierten Werkzeugen ab, und damit stehen wir nicht allein: Selbst Konkurrenz-Ratgeber, die grundsätzlich auf Werkzeug verzichten wollen, warnen bei diesem Bandtyp vor Behelfslösungen. Der Grund ist eine feine, aber wichtige Unterscheidung: Ein dicker, stumpfer Gegenstand kann in Ausnahmefällen als Notlösung dienen, eine spitze Nähnadel oder ein Zirkel dagegen rutscht leicht ab und beschädigt Glied oder Schließe. Für einen einmaligen Vorgang an einer Uhr, die Sie noch lange tragen möchten, ist ein Stiftaustreiber für wenige Euro die verlässlichere Wahl.
Fünf Fehler, die das Armband beschädigen.
Die meisten Probleme beim Kürzen sind vermeidbar, wenn Sie diese fünf Fehler kennen:
- Falscher Werkzeugdurchmesser. Zu klein, und der Austreiber verkantet oder bricht ab. Zu groß, und er rutscht ab und verkratzt das Glied.
- Zu forsches Hämmern. Harte Schläge verformen das Stiftende, danach lässt es sich nur noch schwer entfernen, selbst für den Profi.
- Einseitig gekürzt. Werden alle Glieder nur auf einer Seite entfernt, verschiebt sich die Schließe, und die Uhr sitzt spürbar schief.
- Kleinteile verloren. Stifte und Glieder sind winzig und rollen gern vom Tisch; stellen Sie vorher ein Gefäß bereit.
- Mit Kraft gegen einen festsitzenden Stift. Sitzt er fest, ist das ein Zeichen zum Aufhören, nicht zum Nachdrücken, oft steckt Korrosion dahinter.
Beim Fachgeschäft kürzen lassen: Kosten und Ablauf.
Wenn Ihnen das passende Werkzeug fehlt oder Sie sich unsicher fühlen, ist das Fachgeschäft die unkompliziertere Wahl. Der Vorgang dauert dort meist nur wenige Minuten und kostet üblicherweise grob zwischen 10 und 30 Euro. Kunden berichten allerdings, abhängig vom Geschäft, von einer Spanne von wenigen Euro bis hin zu diesem oberen Bereich. Haben Sie die Uhr dort gekauft, wo Sie sie kürzen lassen, ist der Service bei manchen Händlern kostenlos. Fragen Sie also ruhig nach, bevor Sie einen Termin vereinbaren.
Ein Tipp zum Schluss: Bewahren Sie die entfernten Glieder und Stifte auf, egal ob Sie selbst kürzen oder kürzen lassen. Ändert sich Ihr Handgelenk, wechselt die Uhr den Besitzer, oder möchten Sie sie verkaufen? In all diesen Fällen lässt sich das Original-Armband damit jederzeit wieder auf volle Länge bringen. Mehr zur täglichen Pflege Ihrer Automatikuhr lesen Sie im Ratgeber Automatikuhr aufziehen und einstellen. Wie Sie ein Metallarmband reinigen, lesen Sie im Ratgeber Uhr reinigen.
