Journal · Uhren-Wissen

Automatikuhr aufziehen und einstellen: so geht es richtig.

Eine Automatikuhr lebt von Ihrer Bewegung, doch manchmal muss man nachhelfen: nach der Schublade, beim ersten Tragen, beim Datumswechsel. Diese Anleitung zeigt, wie Sie aufziehen, Uhrzeit und Datum stellen und den einen Fehler vermeiden, der teuer wird.

Hörner Pulsar Automatikuhr mit offenem Zifferblatt, das mechanische NH70-Werk ist sichtbar
Eine Automatik zeigt, was sie antreibt: das mechanische Werk arbeitet sichtbar.
Kurz zusammengefasst

Eine Automatikuhr ziehen Sie auf, indem Sie sie tragen: Der Rotor gewinnt Energie aus Ihrer Armbewegung. Steht die Uhr, drehen Sie die Krone im Uhrzeigersinn, bei NH35 und NH70 laut Hersteller mindestens 55 Mal für die volle Gangreserve. Überdrehen können Sie sie nicht. Beim Einstellen gilt die wichtigste Regel: Das Datum nie zwischen 21 und 3 Uhr schalten. Uhren ohne Datum wie die Pulsar mit NH70-Werk kennen dieses Problem nicht. Ein Uhrenbeweger lohnt sich vor allem bei mehreren Uhren im Wechsel oder bei Kalenderuhren.

55
Umdrehungen
der Krone mindestens bis zum Vollaufzug (NH35 und NH70, laut Hersteller)
41 h
Gangreserve
des NH70-Automatikwerks (Pulsar)
21 bis 3
Uhr Sperrzone
kein Datum stellen (nur bei Datumsuhren)
Kapitel I · Die Mechanik

Wie eine Automatikuhr funktioniert.

Eine Automatikuhr trägt ihren Motor in sich: einen Rotor, eine halbrunde Schwungmasse, die sich bei jeder Armbewegung dreht und dabei die Zugfeder spannt. Diese gespeicherte Energie treibt das Werk an. Solange Sie die Uhr tragen, lädt sie sich also von selbst.

Wie viel Energie sie speichert, nennt man Gangreserve. Sie ist begrenzt: Das NH70-Werk in der Pulsar etwa läuft voll aufgezogen rund 41 Stunden, ohne getragen oder nachgezogen zu werden. Tragen Sie die Uhr täglich, merken Sie davon nichts, der Rotor füllt die Reserve laufend nach. Lassen Sie die Uhr aber länger liegen, als die Reserve reicht, bleibt sie stehen. Das ist kein Defekt, sondern das Wesen der Mechanik.

Ein schöner Nebeneffekt: Der Sekundenzeiger einer Automatik gleitet weich über das Zifferblatt, statt im Sekundentakt zu springen. Dieses ruhige Gleiten, beim NH70 mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, ist das sichtbarste Zeichen dafür, dass hier ein mechanisches Werk arbeitet und keine Batterie. Ob diese Mechanik überhaupt die richtige Wahl für Sie ist, klärt unser Vergleich Automatikuhr oder Quarzuhr.

Kapitel II · Aufziehen

Aufziehen: durch Tragen und per Hand.

Energie kommt auf zwei Wegen ins Werk: durch das Tragen und über die Krone. Im Alltag genügt das Tragen. Wer seine Uhr fast täglich am Handgelenk hat, muss sie nie von Hand aufziehen.

Steht die Uhr aber, etwa nach ein paar Tagen in der Schublade, ziehen Sie sie über die Krone auf: In ihrer eingedrückten Grundstellung drehen Sie die Krone im Uhrzeigersinn. Wie viele Umdrehungen eine stehengebliebene Uhr bis zur vollen Gangreserve braucht, hängt vom Werk ab: TMI nennt für seine verbreiteten Werke NH35 und NH70 mindestens 55. Danach legen Sie sie an, und der Rotor übernimmt.

„
Eine Automatikuhr können Sie nicht überdrehen. Ist die Feder voll, rutscht sie einfach durch. Aufziehen ist deshalb jederzeit unbedenklich, solange Sie ruhig und ohne Gewalt drehen.
Aus der Praxis · Andre Hörner

Das ist der wichtigste Unterschied zu einer reinen Handaufzugsuhr: Dort spüren Sie beim Aufziehen irgendwann einen festen Anschlag und dürfen nicht weiterdrehen. Bei den meisten Automatikwerken fehlt dieser Anschlag. Ihre Zugfeder ist über eine Rutschkupplung mit dem Federhaus verbunden, die durchrutscht, sobald die Feder voll ist. Manche Werke bilden eine Ausnahme: Bei den neomatik-Kalibern von NOMOS steigt der Widerstand spürbar, und der Rotor stoppt bei Vollaufzug von selbst. Überdrehen ist trotzdem ausgeschlossen, weder durch Tragen noch durch Handaufzug. Grand Seiko und Longines raten trotz dieses Schutzes von übermäßigem Aufziehen ab, Oris rät aufzuhören, wenn der Widerstand stärker wird.

Viele suchen nach dem einen Trick beim Aufziehen. Den gibt es beim Aufziehen selbst nicht: ruhig drehen, ohne Gewalt, das ist alles. Der Trick, der wirklich etwas bringt, kommt einen Schritt später beim Stellen und heißt Sekundenstopp. Wie er funktioniert, steht in Kapitel IV. Ob Ihre Uhr überhaupt Handaufzug hat, merken Sie an der Krone: Spüren Sie beim Drehen in Grundstellung einen gleichmäßigen Widerstand, zieht sie auf. Dreht die Krone frei durch, arbeitet das Werk allein über den Rotor.

※
Kurz gemerkt

Handaufzug brauchen Sie fast nur, um eine stehengebliebene Uhr wieder in Gang zu setzen oder eine selten getragene Uhr vor dem Anlegen vorzubereiten. Eine täglich getragene Automatik zieht sich von allein auf. Und nein, kaputtdrehen können Sie dabei nichts.

Kapitel III · Neustart

Stehen geblieben? Was jetzt zu tun ist.

Ihre Automatik steht, weil sie länger lag als ihre Gangreserve reicht. Kein Grund zur Sorge, in drei Schritten läuft sie wieder:

Stehengebliebene Automatikuhr neu starten
SchrittWas Sie tun
1. AufziehenUhr abnehmen, Krone in Grundstellung etwa 20 bis 30 Mal im Uhrzeigersinn drehen, bis die Uhr läuft
2. StellenUhrzeit einstellen, bei Uhren mit Datum auch das Datum (Sperrzone beachten, siehe Kapitel V)
3. AnlegenUhr tragen: Ab jetzt hält der Rotor sie aus Ihrer Bewegung aufgezogen

Herstellerangaben zum Schütteln widersprechen sich. Seiko beschreibt, dass Schwenken die Uhr schneller anlaufen lässt. Tissot warnt: „Schütteln Sie niemals eine Uhr, um sie wieder zum Laufen zu bringen, das beschädigt das Uhrwerk!“ Der sichere Weg ist deshalb der Handaufzug über die Krone. Er gibt der Uhr sofort genug Reserve, um zuverlässig zu laufen, während Sie sie stellen.

Kapitel IV · Einstellen

Uhrzeit und Datum einstellen.

Das Einstellen läuft über die Auszugsstufen der Krone. Wie viele es sind, hängt davon ab, ob die Uhr ein Datum hat.

Kronen-Stellungen und ihre Funktion
KroneFunktion
EingedrücktGrundstellung, hier ziehen Sie die Uhr von Hand auf
Eine Stufe herausBei Datumsuhren: Schnellverstellung des Datums (Sperrzone beachten)
Ganz herausUhrzeit stellen, bei Werken mit Sekundenstopp bleibt der Sekundenzeiger stehen

Viele gute Werke, auch das NH70, haben einen Sekundenstopp, oft Hacking genannt. Ziehen Sie die Krone ganz heraus, bleibt der Sekundenzeiger stehen. So können Sie ihn auf die Null setzen, auf ein Zeitsignal warten und die Krone exakt im richtigen Moment eindrücken. Das ist der Trick, mit dem Ihre Uhr sekundengenau geht.

Ein wichtiger Hinweis: Nicht jede Automatik hat ein Datum. Das NH70-Werk in der Pulsar zeigt bewusst nur Stunde, Minute und Sekunde. Bei ihr entfällt die Datumsstufe, und damit auch die größte Stolperfalle beim Einstellen, um die es im nächsten Kapitel geht. Drücken Sie die Krone nach dem Stellen immer wieder vollständig ein, bei verschraubten Kronen festschrauben, damit die Uhr dicht bleibt.

Kapitel V · Das Tabu

Die Sperrzone: das teure Tabu.

Es gibt beim Einstellen einer Datumsuhr genau einen Fehler, der richtig teuer werden kann: das Datum in der Sperrzone schalten. Diese Zone liegt meist zwischen etwa 21 und 3 Uhr.

Der Grund steckt im Werk: In diesem Fenster bereitet die Mechanik den Datumswechsel vor, die Zähne der Datumsschaltung greifen bereits ineinander. Drehen Sie jetzt mit der Schnellverstellung am Datum, drücken Sie gegen diese eingreifenden Zähne. Sie können brechen, und die Reparatur kostet oft ein Vielfaches dessen, was die Vorsicht gekostet hätte.

„
Die einfache Regel: Stellen Sie die Zeiger erst auf 6 Uhr, dann das Datum. Bei 6 Uhr ist die Datumsschaltung sicher gelöst, und Sie können gefahrlos verstellen.
Aus der Praxis · Andre Hörner

So gehen Sie sicher vor: Ziehen Sie die Krone heraus und drehen Sie die Zeiger auf etwa 6 Uhr, weit weg von der Sperrzone. Stellen Sie jetzt das Datum über die Schnellverstellung auf den Vortag, dann die Uhrzeit weiter bis zum heutigen Datumswechsel, danach auf die korrekte Zeit. Etwas umständlich, aber es schützt das Werk zuverlässig.

※
Gilt nur für Uhren mit Datum

Hat Ihre Uhr keine Datumsanzeige, wie die Pulsar mit NH70-Werk, brauchen Sie sich um die Sperrzone nicht zu kümmern: Ohne Datumsschaltung gibt es nichts, was brechen könnte. Sie stellen einfach die Uhrzeit, fertig. Manchmal ist weniger Anzeige eben auch weniger Sorge.

Kapitel VI · Uhrenbeweger

Uhrenbeweger: sinnvoll oder nicht?

Für eine Uhr, die Sie fast täglich tragen, brauchen Sie keinen Uhrenbeweger. Das sagen Oris und Rolex übereinstimmend: Wer seine Uhr täglich trägt, muss sie nicht von Hand aufziehen. Sinnvoll wird ein Beweger bei mehreren Automatikuhren im Wechsel, wie Longines beschreibt. Auch bei Kalenderkomplikationen zahlt er sich aus, wie A. Lange & Söhne und Patek Philippe zeigen, weil das Neueinstellen dort aufwendig ist.

Oris ergänzt: Die Alltagsbewegung reicht aus, nur bei sehr inaktiven Menschen kann sie zu gering sein. Für diesen Fall nennt Omega, das selbst Beweger führt, den Beweger als Hilfe.

Was ein Beweger überhaupt tut, beschreibt Oris nüchtern. Er simuliert die Bewegungen Ihres Handgelenks. Je nach Modell dreht er im Uhrzeigersinn, gegen den Uhrzeigersinn oder abwechselnd in beide Richtungen, oft mit einstellbarer Laufzeit und Geschwindigkeit. Gebräuchliche Namen dafür sind Uhrendreher und, im Englischen, Watch Winder. Oris stellt selbst keine Beweger her und bewertet auch keine fremden Modelle.

Was die Uhrenhersteller sagen

Was Uhrenhersteller zum Uhrenbeweger sagen
HerstellerAussage
OrisWer die Uhr täglich trägt, muss sie sehr wahrscheinlich nicht aufziehen.
RolexTäglich getragen muss eine Rolex nicht aufgezogen werden, abgelegt hält sie je nach Modell bis zu 70 Stunden.
NOMOS„Längere Ruhepausen machen Automatikuhren nichts aus.“ Einen Beweger empfiehlt NOMOS nur, wenn die Uhr auch ungetragen stets voll aufgezogen sein soll.
A. Lange & SöhneDen Rotor per Beweger in Schwung zu halten, wirkt sich positiv auf die Schmierung der Lager aus.
OmegaEin Beweger hilft, die Gangreserve zu halten, auch bei seltenem Tragen. Omega führt eigene Beweger.
Patek PhilippeDer ewige Kalender Ref. 5320G kommt in einer Schatulle mit eingebautem Beweger, der nach Ruhephasen arbeitet.
LonginesIdeal bei mehreren Automatikuhren oder häufigem Wechsel.

Keine der hier zitierten Marken rät vom Uhrenbeweger ab, NOMOS empfiehlt ihn auf seiner Themenseite zu Automatikuhren als Option. Die Empfehlungen hängen schlicht davon ab, wie Sie Ihre Uhr tragen. A. Lange & Söhne empfiehlt bei seltenem Tragen wahlweise gelegentliches Aufziehen von Hand oder den Beweger.

Schadet ein Uhrenbeweger der Uhr?

In der Regel nicht, wenn Umdrehungszahl und Drehrichtung zum Werk passen. Eine Ausnahme nennt ein IWC-Servicepartner für Werke mit sieben Tagen Gangreserve.

  • Überdrehen: Ausgeschlossen. Die Rutschkupplung im Federhaus verhindert das, wie A. Lange & Söhne beschreibt. NOMOS nennt dasselbe Bauteil Rutschzaum.
  • Dauerrotation: Laut dem Beweger-Hersteller Orbita beansprucht Dauerrotation die Aufzugsteile stärker, Orbita steuert deshalb mit Ruhephasen. Auch der Beweger, den Patek Philippe zum ewigen Kalender 5320G liefert, legt Ruhephasen nach Zyklen des eigenen Uhrwerkslabors ein. Oris nennt 10 Stunden Bewegung und 14 Stunden Ruhe beim Kaliber 400. Der Beweger-Hersteller Wolf betont zugleich, dass eine Uhr dauerhaft im Beweger bleiben darf, wenn Umdrehungszahl und Richtung stimmen. Für die Ganggenauigkeit empfiehlt Orbita kurze Laufintervalle über den Tag verteilt statt weniger Stunden am Stück.
  • Schmierstoffe: Die Behauptung, Öle verharzen, wenn die Uhr steht, belegt kein Uhrenhersteller. Der Schmierstoffhersteller Moebius schreibt zu seinen synthetischen Uhrenölen, dass sie nicht verharzen. Unter den Uhrenherstellern sieht einzig A. Lange & Söhne in der Bewegung einen Vorteil für die Schmierung der Lager.
  • 7-Tage-Werke: Ein werksautorisierter IWC-Servicepartner rät bei IWC-Kalibern mit sieben Tagen Gangreserve vom Beweger ab, weil der große Rotor im Vollaufzug die Klinken abnutzt. Für alle anderen IWC-Modelle, auch ewige Kalender, nennt er den Beweger Komfort, keine Notwendigkeit. Das ist seine Aussage im IWC-Forum, keine offizielle Veröffentlichung von IWC.
  • Magnetismus: Keine der hier zitierten Uhrenmarken warnt vor Bewegern. Die einzige Messung stammt vom Beweger-Hersteller Wolf: rund 4 Gauß am Trommelboden, 10 Millimeter daneben nichts Messbares. Zum Vergleich muss eine gewöhnliche Uhr laut dem japanischen Uhrenverband JCWA 1.600 A/m aushalten, rund 20 Gauß. Der Beweger-Hersteller Orbita verweist auf eine Abschirmung seiner Motoren, nennt dafür aber keine Messwerte.

Richtig einstellen: Umdrehungen und Drehrichtung

Der Beweger-Hersteller Orbita nennt als grobe Orientierung 500 bis 800 Umdrehungen für die meisten Automatikuhren, bei langer Gangreserve auch bis 1.300. Omega veröffentlicht für viele Kaliber eigene Werte, andere Hersteller nennen Richtwerte. Die Zahlen weichen deutlich voneinander ab:

Einstellungen laut Herstellern
QuelleUmdrehungen pro TagRichtungHinweis
NOMOS650wechselndEmpfehlung für NOMOS-Automatikuhren
Omega540 bis 910, je Kaliberje Kaliber im oder gegen den Uhrzeigersinn oder beidseitigberechnet für mindestens 30 Stunden Gangreserve
Oris Kaliber 4002.400gegen den Uhrzeigersinn10 Stunden Bewegung, 14 Stunden Ruhe
Wolf (Beweger-Hersteller)650 bis 900beidseitigStartbereich für viele Automatikuhren

Die Aufzugsrichtung legt das Uhrwerk fest, nicht der Beweger. ETA 2824-2 zieht bidirektional auf, ebenso TMI NH35 und NH70 sowie Omega 8800. Oris Kaliber 400 zieht dagegen nur gegen den Uhrzeigersinn auf. Auch das IWC-Kaliber mit Pellatonaufzug und, allgemein beschrieben, die Rolex-Wechselräder übertragen die Energie unabhängig von der Drehrichtung des Rotors.

Die Falle beim Wechselmodus: Die Umdrehungszahl ist die Summe beider Richtungen. Eine Uhr, die nur in eine Richtung aufzieht, bekommt im Wechselmodus laut dem Beweger-Hersteller Buben & Zörweg nur die Hälfte davon. Welches Werk in Ihrer Uhr steckt, steht laut Oris in der Garantiekarte.

Wie lange darf eine Automatikuhr stillstehen?

Längere Ruhepausen schaden Automatikuhren laut NOMOS nicht. Stehenbleiben ist laut Oris der Normalfall, sobald die Gangreserve aufgebraucht ist. Lagern Sie die Uhr trocken und ohne direkte Sonne, und lassen Sie nach über einem Jahr ohne Tragen die Wasserdichtigkeit prüfen. Longines nennt konkrete Werte: Ungetragen kann die Gangreserve schon nach ein bis zwei Tagen erschöpft sein. Acht Stunden Tragen reichen meist für 24 bis 36 Stunden Laufzeit.

Wie lange eine voll aufgezogene Uhr läuft, hängt vom Werk ab. Das ETA 2824-2 schafft typisch 42 Stunden, TMI NH35 und NH70 über 41. Das Omega 8800 kommt auf 55 Stunden, das Rolex 3235 auf rund 70. Das Tissot Powermatic 80 läuft bis zu 80 Stunden, ebenso das Grand Seiko 9SA5 mit rund 80. In dieser Auswahl hält das Oris Kaliber 400 mit 120 Stunden am längsten durch.

Kapitel VII · Service

Service: wann die Uhr zum Fachmann muss.

Ein mechanisches Werk ist ein Stück Feinmechanik mit Schmierstoffen, die mit den Jahren altern. Deshalb gehört eine Automatik regelmäßig zur Revision: Das Werk wird zerlegt, gereinigt, neu geölt und reguliert, die Dichtungen werden erneuert. Wie oft, legen die Hersteller sehr unterschiedlich fest, von etwa zwei bis drei Jahren bei Seiko bis zu etwa zehn Jahren bei Rolex. Intervalle und Preise je Hersteller zeigt der Ratgeber Uhr reinigen und polieren.

Laut Seiko kann gealtertes, verschmutztes Öl dazu führen, dass eine Uhr deutlich vor- oder nachgeht oder ganz stehen bleibt. Läuft Ihre Automatik also spürbar ungenauer als früher oder bleibt sie stehen, obwohl Sie sie tragen, ist ein Service fällig.

Einen häufigen Fall können Sie dagegen oft ohne Service lösen: Läuft Ihre Uhr plötzlich zu schnell, ist sie häufig magnetisiert, etwa durch einen Lautsprecher, ein Tablet oder einen Taschenverschluss mit Magnet. Das ist kein Schaden: Ein Uhrmacher entmagnetisiert das Werk in wenigen Minuten. Wie das abläuft und was es kostet, erklärt der Ratgeber Uhr entmagnetisieren. Halten Sie Ihre mechanische Uhr vorsorglich von starken Magnetquellen fern. Woran Sie Magnetismus erkennen und wie Sie die Abweichung eine Woche lang richtig messen, zeigt der Ratgeber Uhr geht vor oder nach.

Bleibt die Abweichung auch danach, lässt sich das Werk feinregulieren: Der Uhrmacher justiert die Unruh so, dass die Uhr näher an die Sollzeit kommt. Vorher lohnt ein nüchterner Blick auf die Erwartung. Das NH70 liegt herstellerseitig in einem Fenster von etwa minus 20 bis plus 40 Sekunden am Tag, und einige Sekunden Abweichung sind bei jeder Mechanik normal. Wer die Gangwerte eine Woche lang notiert, sieht schnell, ob es sich um einen echten Ausreißer handelt oder um das übliche Verhalten eines mechanischen Werks.

Damit haben Sie alles für den Alltag mit einer Automatik beisammen: aufziehen, stellen, die Sperrzone meiden und ab und zu zur Revision. Welche Uhr zu Ihnen passt, lesen Sie im Ratgeber Woran erkennt man eine gute Uhr, und wie Sie ein Lederband selbst wechseln und pflegen, im Ratgeber zum Uhrenarmband aus Leder. Sitzt ein Gliederarmband zu locker, zeigt der Ratgeber Uhrenarmband kürzen, wie Sie es auf die richtige Länge bringen.

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Hörner verkauft keine Uhrenbeweger und kein Werkzeug, diese Anleitung ist bewusst neutral. Wenn Sie die Mechanik einer Automatik selbst erleben möchten, hier sind unsere NH70-Modelle, und die Quarz-Alternative für alle, die auf das Aufziehen ganz verzichten wollen.

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Häufige Fragen

Automatikuhr aufziehen und einstellen, kompakt beantwortet.

Wie zieht man eine Automatikuhr auf?+
Drehen Sie die Krone in ihrer eingedrückten Grundstellung im Uhrzeigersinn. Für die volle Gangreserve braucht eine stehengebliebene Uhr je nach Werk unterschiedlich viele Umdrehungen, bei NH35 und NH70 laut Hersteller mindestens 55. Tragen Sie die Uhr danach, hält der Rotor sie aus Ihrer Armbewegung von selbst aufgezogen. Im Alltag müssen Sie also meist gar nicht von Hand nachhelfen.
Kann man eine Automatikuhr überdrehen?+
Nein. Die Zugfeder der meisten Automatikwerke sitzt an einer Rutschkupplung im Federhaus. Ist sie voll, rutscht diese Kupplung einfach durch, statt die Feder zu überspannen. Sie können eine Automatikuhr also weder durch Tragen noch durch Handaufzug überdrehen. Drehen Sie ruhig und ohne Gewalt, dann ist Aufziehen jederzeit unbedenklich.
Wie viele Umdrehungen braucht eine Automatikuhr?+
Für die volle Gangreserve nennt der Hersteller der Werke NH35 und NH70 mindestens 55 Kronenumdrehungen, andere Werke weichen ab. Soll die Uhr nur wieder laufen, genügen 20 bis 30. Drehen Sie die Krone in Grundstellung im Uhrzeigersinn. Bei den meisten Werken spüren Sie dabei keinen harten Anschlag, die Feder rutscht einfach durch. Manche Werke stoppen den Rotor stattdessen bei Vollaufzug.
Muss man eine Automatikuhr per Hand aufziehen?+
Wenn Sie die Uhr täglich tragen, in der Regel nicht: Der Rotor zieht sie aus Ihrer Bewegung auf. Handaufzug brauchen Sie vor allem, um eine stehengebliebene Uhr neu zu starten oder eine Uhr, die Sie nur gelegentlich tragen, vor dem Anlegen aufzuziehen. Nicht jede Automatik lässt sich von Hand aufziehen, viele moderne Werke aber schon.
Warum bleibt meine Automatikuhr stehen?+
Weil sie länger nicht getragen wurde, als ihre Gangreserve reicht. Eine Automatik speichert nur begrenzt Energie, das NH70-Werk im Pulsar etwa rund 41 Stunden. Liegt die Uhr übers Wochenende in der Schublade, steht sie am Montag. Das ist völlig normal und kein Defekt, Sie ziehen sie einfach wieder auf und stellen sie neu.
Was tun, wenn die Automatikuhr stehen geblieben ist?+
Nehmen Sie die Uhr ab und ziehen Sie sie mit etwa 20 bis 30 Kronenumdrehungen im Uhrzeigersinn auf. Stellen Sie danach die Uhrzeit und, falls vorhanden, das Datum. Anschließend ans Handgelenk: Der Rotor übernimmt ab jetzt. Der Handaufzug über die Krone ist der sichere Weg, Tissot warnt sogar ausdrücklich vor Schütteln.
Wie stellt man Uhrzeit und Datum ein?+
Die Krone hat mehrere Auszugsstufen. Eingedrückt zieht sie auf, einmal herausgezogen stellt sie bei Datumsuhren das Datum, ganz herausgezogen die Uhrzeit. Bei Werken mit Sekundenstopp bleibt der Sekundenzeiger dabei stehen, sodass Sie sekundengenau stellen können. Drücken Sie die Krone danach wieder vollständig ein.
Was ist die Sperrzone beim Datum?+
Das ist das Zeitfenster, in dem die Datumsschaltung im Werk bereits eingreift, meist zwischen etwa 21 und 3 Uhr. Schalten Sie das Datum in diesem Fenster über die Schnellverstellung, können die feinen Zähne brechen. Stellen Sie deshalb die Zeiger zuerst auf etwa 6 Uhr, dort ist die Schaltung sicher gelöst, und ändern Sie erst dann das Datum.
Hat jede Automatikuhr ein Datum?+
Nein. Viele mechanische Werke verzichten bewusst auf eine Datumsanzeige, für ein ruhigeres Zifferblatt und weniger Mechanik. Das NH70-Werk in der Pulsar etwa zeigt nur Stunde, Minute und Sekunde, kein Datum. Das macht das Einstellen sogar einfacher: Es gibt keine Datumsschaltung und damit auch keine Sperrzone, die Sie beachten müssten.
Was ist die Gangreserve einer Automatikuhr?+
Die Gangreserve ist die Zeit, die eine vollständig aufgezogene Uhr läuft, ohne getragen oder nachgezogen zu werden. Sie hängt vom Werk ab: Das NH70 im Pulsar speichert rund 41 Stunden. Tragen Sie die Uhr täglich, wird die Reserve durch den Rotor laufend aufgefüllt und Sie merken nie, dass es sie gibt.
Braucht eine Automatikuhr einen Uhrenbeweger?+
Für eine einzelne, fast täglich getragene Uhr in der Regel nicht: Sie bleibt durch die Bewegung Ihres Handgelenks aufgezogen. Bei mehreren Automatikuhren im Wechsel lohnt sich ein Beweger, weil Sie sonst jede selten getragene Uhr neu stellen müssten. Auch bei aufwendigen Kalenderkomplikationen hilft er, weil er die Einstellungen erhält.
Wie genau geht eine Automatikuhr?+
Eine mechanische Uhr ist nicht so präzise wie Quarz, eine Abweichung von einigen Sekunden pro Tag ist normal und kein Mangel. Das NH70-Werk liegt herstellerseitig in einem Toleranzfenster von etwa minus 20 bis plus 40 Sekunden am Tag. Wer es genauer braucht, ist mit einer Quarzuhr besser bedient, das ist eine Frage der Philosophie, nicht der Qualität.
Wie oft muss eine Automatikuhr zum Service?+
Die Hersteller geben sehr unterschiedliche Intervalle an: Seiko nennt für mechanische Kaliber etwa zwei bis drei Jahre, Omega fünf bis acht, Rolex etwa zehn Jahre. Der Uhrmacher zerlegt, reinigt, ölt und reguliert dabei das Werk und erneuert die Dichtungen. Früher fällig ist ein Service, wenn die Uhr spürbar ungenauer läuft oder stehen bleibt, obwohl sie getragen wird.
Meine Automatikuhr geht nach, woran liegt das?+
Mehrere Ursachen sind möglich: zu wenig Energie in der Feder, die Ablagelage oder Magnetismus. Ob eine nachlassende Feder eine Uhr vor- oder nachgehen lässt, hängt vom Werk ab, eine feste Regel gibt es nicht. Messen Sie die Abweichung eine Woche lang, bevor Sie entscheiden, was zu tun ist.
Dreht sich der Rotor in beide Richtungen?+
Bei den meisten modernen Automatikwerken ja. Das NH70 zieht bidirektional auf, der Rotor gewinnt also Energie, egal in welche Richtung er sich dreht. Das macht den Aufzug aus der Armbewegung effizienter. Sichtbar wird die Mechanik bei offenen Zifferblättern oder durch einen Sichtboden, durch den Sie das Werk arbeiten sehen.
Gibt es einen Trick beim Aufziehen einer Automatikuhr?+
Der wichtigste ist der Sekundenstopp: Ziehen Sie die Krone ganz heraus, bleibt der Sekundenzeiger stehen. Setzen Sie ihn auf null, warten Sie auf ein Zeitsignal und drücken Sie die Krone exakt im richtigen Moment ein. So startet die Uhr sekundengenau. Beim Aufziehen selbst gilt: ruhig drehen, nicht hektisch.
Ist es schädlich, eine Automatikuhr von Hand aufzuziehen?+
Nein. Bei einem handaufziehbaren Automatikwerk ist der Handaufzug ausdrücklich vorgesehen und schadet dem Werk nicht. Überspannen können Sie die Feder nicht, weil sie über eine Rutschkupplung im Federhaus durchrutscht, sobald sie voll ist. Schädlich wird es nur, wenn Sie mit Gewalt weiterdrehen, obwohl die Krone klemmt oder verschraubt ist.
Meine Automatikuhr läuft zu schnell, was kann ich tun?+
Prüfen Sie zuerst Magnetismus: Lautsprecher, Tablets und Taschenverschlüsse magnetisieren das Werk, dann läuft die Uhr deutlich vor. Ein Uhrmacher entmagnetisiert sie in wenigen Minuten. Bleibt die Abweichung, lässt sich das Werk feinregulieren. Einige Sekunden Abweichung pro Tag sind bei mechanischen Uhren normal und kein Mangel.
In welcher Reihenfolge zieht man auf und stellt ein?+
Erst aufziehen, dann stellen. Eine stehengebliebene Uhr braucht zuerst Energie, sonst bleibt sie beim Stellen wieder stehen. Drehen Sie also die Krone in Grundstellung etwa 20 bis 30 Mal, stellen Sie danach Uhrzeit und, falls vorhanden, Datum, und legen Sie die Uhr zuletzt an.
Woran erkenne ich, ob meine Automatikuhr von Hand aufziehbar ist?+
Am sichersten steht es in der Anleitung des Werks. Sonst hilft ein sanfter Versuch: Drehen Sie die eingedrückte Krone im Uhrzeigersinn. Spüren Sie einen gleichmäßigen Widerstand und hören ein feines Rattern, zieht die Uhr auf. Dreht die Krone völlig frei durch, arbeitet das Werk allein über den Rotor.
Schadet ein Uhrenbeweger der Automatikuhr?+
In der Regel nicht, wenn Umdrehungszahl und Richtung zum Werk passen: Die Rutschkupplung im Federhaus verhindert ein Überdrehen. Oris empfiehlt für sein Kaliber 400 zudem 14 Stunden Ruhe am Tag. Eine Ausnahme nennt ein IWC-Servicepartner: Bei IWC-Werken mit sieben Tagen Gangreserve rät er wegen des großen Rotors vom Beweger ab.
Wie viele Umdrehungen am Tag braucht eine Uhr im Uhrenbeweger?+
Das hängt vom Werk ab. NOMOS empfiehlt 650 Umdrehungen mit wechselnder Richtung, Omega je nach Kaliber 540 bis 910. Der Beweger-Hersteller Wolf nennt 650 bis 900 als Startbereich. Laut dem Beweger-Hersteller Buben & Zörweg gilt die Zahl im Wechselmodus für beide Richtungen zusammen, eine nur einseitig aufziehende Uhr bekommt dann nur die Hälfte.
Wie lange kann eine Automatikuhr ohne Bewegung liegen?+
Stehenbleiben nach einigen Tagen ist normal und kein Defekt, sobald die Gangreserve aufgebraucht ist. Laut NOMOS schaden längere Ruhepausen einer Automatikuhr nicht, solange Sie sie trocken und ohne direkte Sonne lagern. Bei gängigen Werken hält eine volle Aufladung zwischen etwa 40 und 120 Stunden, danach ziehen Sie die Uhr einfach neu auf.
Andre Hörner, Geschäftsführer Hörner GmbH
Über den Autor
Andre Hörner
Geschäftsführer Hörner GmbH

Andre Hörner führt die Hörner GmbH seit 2016 und kennt das Sortiment aus tausenden Geschenk-Bestellungen, Gravur-Aufträgen und E-Mail-Anfragen. Seine Blog-Beiträge basieren auf realen Bestelldaten und der Erfahrung aus dem täglichen Kundenkontakt im Hörner-Online-Shop.

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