Uhr geht vor oder nach: was normal ist und was dahintersteckt.
Ob Ihre Uhr ein paar Sekunden vor- oder nachgeht, sagt für sich genommen noch nichts über einen Defekt. Dieser Ratgeber zeigt, welche Abweichung Hersteller von der einfachen Quarzuhr bis zum Chronometer angeben, und wie Sie den tatsächlichen Wert in einer Woche sauber messen. Danach geht es um die Ursachen, von Magnetismus über die Lage bis zum alternden Werk, getrennt nach Mechanik, Quarz und Funk.
Eine Uhr geht vor, wenn sie schneller läuft als die Referenzzeit, und nach, wenn sie Zeit verliert. Normal ist, was der Hersteller angibt: meist ±15 Sekunden im Monat bei Quarz, bis zu 45 Sekunden am Tag bei einfachen Automatikwerken, wenige beim COSC-Chronometer. Geht eine mechanische Uhr plötzlich minutenweise vor, liegt Magnetismus nahe. Messen Sie zuerst eine Woche.
Schnell-Diagnose
Die Ursache in drei Fragen eingrenzen
Drei kurze Fragen zu Antrieb, Uhrentyp und Fehlerbild. Danach sehen Sie die wahrscheinliche Ursache, was Sie selbst prüfen können, was hilft und wo Sie weiterlesen.
Alle Muster auf einen Blick zeigt die Diagnose-Tabelle in Kapitel I.
Messen Sie vor jeder Maßnahme eine Woche lang. So messen Sie richtig: Kapitel II
Eine erste Richtung, keine sichere Diagnose.
Vorgehen, nachgehen: was die Begriffe meinen und was normal ist.
Vorgehen heißt, Ihre Uhr läuft schneller als die Referenzzeit und ist der tatsächlichen Uhrzeit voraus, nachgehen heißt, sie verliert Zeit. Was dabei normal ist, legt der Hersteller für jedes Werk fest. Angegeben wird das mit Plus oder Minus vor der Zahl, bei mechanischen Uhren in Sekunden pro Tag, bei Quarzuhren meist pro Monat oder Jahr.
Die Spannen unterscheiden sich je nach Bauart stark. Laut einem Beitrag des US-Messinstituts NIST gibt mindestens ein Hersteller günstiger Quarzuhren plus oder minus 15 Sekunden im Monat an. Bei einfachen Automatikwerken geht es dagegen um Sekunden pro Tag. Ein COSC-zertifizierter Chronometer muss im Mittel minus 4 bis plus 6 Sekunden am Tag einhalten, geprüft in mehreren Lagen und Temperaturen.
Wo steht der Wert für Ihre Uhr? Meist in der Bedienungsanleitung bei den technischen Daten, oft unter einer werkspezifischen Bezeichnung: Casio nennt sie „Genauigkeit", Seiko „Loss/gain", Grand Seiko „Vorgang/Nachgang". Kennen Sie das Kaliber, also die Werkbezeichnung, finden Sie den Wert auch beim Werkhersteller. Das Kaliber steht in der Anleitung, in den Produktdaten und manchmal auf dem Werk selbst. Die folgenden zwei Tabellen ordnen die gängigen Werte ein. Thermokompensierte Quarzwerke gleichen Temperaturschwankungen selbst aus.
| Uhr oder Werk | Herstellerangabe | Bedingung laut Hersteller |
|---|---|---|
| Casio G-Shock DW-5600E (Modul 3525) | ±15 s/Monat | im Monatsmittel |
| Casio F-91W | ±30 s/Monat | ohne Angabe |
| Seiko Solar V172, V174, V175, V176 | ±15 s/Monat | am Handgelenk, 5 bis 35 °C |
| Citizen Eco-Drive E16x, B02/B03 | ±15 s/Monat | 5 bis 35 °C |
| Miyota 6P27 | ±20 s/Monat | ohne Angabe |
| Ronda 515 | −10 bis +20 s/Monat | Werksmessung, 60 Sekunden |
| Grand Seiko 9F (thermokompensiert) | ±10 s/Jahr | am Handgelenk, 5 bis 35 °C, rund 8 Std. täglich |
| ETA PreciDrive (thermokompensiert) | ±10 s/Jahr | ohne Angabe |
| Citizen Caliber 0100 (thermokompensiert) | ±1 s/Jahr | ohne Angabe |
| Uhr oder Werk | Herstellerangabe | Bedingung laut Hersteller |
|---|---|---|
| Seiko 4R35, 4R36 | −35 bis +45 s/Tag | am Handgelenk, 5 bis 35 °C |
| TMI NH35, NH36, NH70 | −20 bis +40 s/Tag | ruhend am Werk, 23 °C, nach Vollaufzug |
| Miyota 8215 | −20 bis +40 s/Tag | 10 bis 60 Min. nach Vollaufzug |
| Miyota 9015 | −10 bis +30 s/Tag | 10 bis 60 Min. nach Vollaufzug |
| Seiko 6R35 | −15 bis +25 s/Tag | am Handgelenk, 5 bis 35 °C |
| Tissot Powermatic 80 (Standard / Premium) | −4 bis +10 / −2 bis +8 s/Tag | ohne Angabe |
| COSC-Chronometer | −4 bis +6 s/Tag im Mittel | Werk ohne Gehäuse, 5 Lagen, 3 Temperaturen |
| Grand Seiko 9S | −3 bis +5 s/Tag (9S27: −3 bis +8) | Werk vor dem Einbau ins Gehäuse, 6 Lagen, 17 Tage |
| METAS Master Chronometer | 0 bis +5 s/Tag | fertige Uhr, Werkdurchmesser über 26 mm |
| Rolex Superlative Chronometer | etwa −2 bis +2 s/Tag | fertige Uhr mit Gehäuse |
Diese Werte sind nicht direkt vergleichbar, weil jeder Hersteller anders misst. TMI, Miyota, COSC und Grand Seiko prüfen das ruhende Werk im Labor, METAS und Rolex die fertige Uhr mit Gehäuse. Seiko gibt Quarz-, 4R- und 6R-Kaliber am Handgelenk bei 5 bis 35 Grad an, Citizen seine Eco-Drive-Werke für 5 bis 35 Grad. Am Handgelenk kann der tatsächliche Wert davon abweichen, weil Tragedauer, Lage und Temperatur im Alltag anders wirken als bei der Messung. Grand Seiko nennt deshalb neben dem Laborwert einen Zielwert für den Alltag: −1 bis +10 Sekunden am Tag. Für einzelne Kaliber gelten −1 bis +8 oder −5 bis +10. Wie Sie die Abweichung Ihrer Uhr messen, lesen Sie in Kapitel II. Warum ein Quarzwerk dabei so viel gleichmäßiger schwingt als ein mechanisches Werk, erklärt der Vergleich Automatikuhr oder Quarzuhr.
Das Muster der Abweichung grenzt die Ursache oft schon ein. Die folgende Tabelle gibt eine erste Richtung, aber keine sichere Diagnose. In drei Fragen grenzt die Schnell-Diagnose am Artikelanfang die Ursache ein.
| Muster | Uhrtyp | Wahrscheinliche Ursache | Selbsttest | Was hilft |
|---|---|---|---|---|
| Plötzlich deutlich vor, teils Minuten am Tag | Mechanisch | Magnetismus | Kompass-Test | Entmagnetisieren lassen (Kap. III) |
| Nach Sturz oder Stoß stark verstellt, Kompass unauffällig | Mechanisch | Spirale verhakt oder liegt an | keiner für Laien | Uhrmacher (Kap. III) |
| Gang ändert sich mit der Ablage oder nach Tragepausen | Mechanisch | Lage oder auslaufende Feder | Ablage im Protokoll notieren | Lage wechseln, täglich tragen oder aufziehen (Kap. IV) |
| Konstant einige Sekunden am Tag daneben | Mechanisch | Regulierung des Werks | Wochenmittel gegen Herstellerangabe | Innerhalb der Angabe nichts tun, sonst regulieren lassen (Kap. VII) |
| Nach Jahren ohne Service deutlich vor oder nach | Mechanisch | Gealterte Schmierung | Letzte Revision prüfen, Magnetismus ausschließen | Revision (Kap. V) |
| Stand still oder ging falsch nach Magnetkontakt | Quarz | Magnetfeld, vorübergehend | Vom Magneten weg, neu stellen, eine Woche beobachten | Meist nichts weiter (Kap. VI) |
| Geht trotz frischer Batterie deutlich nach | Quarz | Schwergängiges Werk | keiner für Laien | Uhrmacher (Kap. VI) |
| Abgelegt oder im Winter etwas langsamer | Quarz | Temperatur | Tragen und Ablegen vergleichen | Kein Defekt (Kap. VI) |
| Funkuhr zeigt nach dem Empfang eine leicht falsche Zeit | Funk | Referenzposition der Zeiger verstellt | manuell empfangen, dann Referenzposition laut Anleitung prüfen | Referenzposition korrigieren (Kap. VI) |
| Apple Watch zeigt eine spätere Zeit | Smartwatch | Anzeige bewusst vorgestellt | Einstellungen prüfen | Zurückstellen (Kap. VI) |
Messen statt schätzen: die Abweichung in einer Woche bestimmen.
Verlässlich wird die Abweichung erst über mehrere Tage, ein einzelner Tag verzerrt das Bild zu stark. Grand Seiko empfiehlt in der eigenen Anleitung, den Mittelwert über eine Woche bis zehn Tage zu bilden. Seiko rät ähnlich: Der Gang mechanischer Uhren wird nicht tageweise gemessen, sondern über etwa eine Woche.
So gehen Sie vor: Stellen Sie die Uhr zunächst sekundengenau nach einer Referenzzeit, etwa einem Funksignal oder einem Zeitdienst im Netz. Mit Sekundenstopp hält der Sekundenzeiger an, sobald Sie die Krone ziehen. So treffen Sie die Referenzzeit exakt. Mehr dazu im Ratgeber Automatikuhr aufziehen und einstellen. Tragen Sie die Uhr danach normal, und notieren Sie täglich zur gleichen Uhrzeit die Abweichung, dazu die Lage, in der die Uhr nachts liegt.
Ein Rechenbeispiel: Zeigt Ihre Uhr nach sieben Tagen insgesamt 42 Sekunden mehr an als die Referenzzeit, liegt der Mittelwert bei 6 Sekunden am Tag. So könnte ein eigenes Gangprotokoll über eine Woche aussehen:
| Tag | Abweichung zum Vortag | Kumuliert | Ablage nachts |
|---|---|---|---|
| 1 | +5 s | +5 s | Zifferblatt oben |
| 2 | +6 s | +11 s | Zifferblatt oben |
| 3 | +7 s | +18 s | seitlich, Krone unten |
| 4 | +6 s | +24 s | Zifferblatt oben |
| 5 | +5 s | +29 s | Zifferblatt oben |
| 6 | +7 s | +36 s | seitlich, Krone unten |
| 7 | +6 s | +42 s | Zifferblatt oben |
Es kam vor, dass Kunden ihre Pulsar einschickten, weil sie vor- oder nachging. Wir haben sie jeweils mehrere Tage getestet und nie einen Fehler festgestellt: Die Abweichung lag in dem Rahmen, den der Werkhersteller für das NH70 zulässt.Aus der Praxis · Andre Hörner
Ein Grund mehr, zuerst eine Woche zu messen, bevor Sie von einem Defekt ausgehen. Wollen Sie es genauer wissen, misst eine Zeitwaage beim Uhrmacher den Gang direkt. Sie erfasst zusätzlich die Amplitude, also den Schwung der Unruh, meist in einer Größenordnung von 260 bis 310 Grad, und den sogenannten Abfallfehler. Apps, die Ihre Ablesung mit einer Netzzeit abgleichen, können das Protokoll erleichtern. Für Apps, die den Takt über das Mikrofon des Handys messen wollen, ist keine belastbare Prüfung bekannt.
Plötzlich deutlich schneller: Magnetismus als erster Verdacht.
Läuft eine mechanische Uhr binnen kurzer Zeit auffällig schneller, ist Magnetismus der erste Verdacht. Omega beziffert das Risiko einer Magnetisierung mit Abweichungen von bis zu mehreren Minuten am Tag.
Ein starkes Magnetfeld kann dazu führen, dass die Windungen der Spiralfeder aneinander haften. Sie schwingt dann nicht mehr frei, die Uhr läuft schneller. Nach Angaben von Seiko bleibt der Magnetismus im Werk, bis er gezielt entfernt wird. Die Uhr kann dabei auch nachgehen oder stehen bleiben, nicht nur vorgehen.
Alltägliche Magnetquellen sind laut Seiko unter anderem Mobiltelefone, Fernseher- und Computerlautsprecher, magnetische Halsketten, Handtaschenverschlüsse, elektrische Rasierer und die magnetischen Teile an Kühlschränken. Abstand hilft. Nach Seiko-Messwerten sinkt die Feldstärke eines Handy-Lautsprechers von bis zu 22.400 Ampere pro Meter bei direktem Kontakt auf höchstens 1.600 in 5 Zentimetern Abstand. Seiko empfiehlt deshalb, die Uhr mehr als 5 Zentimeter von solchen Quellen fernzuhalten.
Beim Uhrenhersteller Sinn waren fast 60 Prozent von rund 1.000 im eigenen Kundendienst geprüften Uhren magnetisiert.
Legen Sie einen Kompass flach hin und führen Sie die Uhr langsam heran. Schlägt die Nadel deutlich aus, spricht das für Magnetismus. Ein Gerätehersteller warnt allerdings: Auch nicht magnetisiertes Eisen kann die Nadel ablenken, der Test liefert also nur ein Indiz. Gewissheit bringt erst die Messung beim Uhrmacher, vor und nach dem Entmagnetisieren.
Zeigt der Kompass nichts und ist die Uhr nach einem Sturz oder Stoß trotzdem stark verstellt, kann die Spiralfeder verhakt sein oder anliegen. Das gehört in jedem Fall zum Uhrmacher. Das Entmagnetisieren dauert beim Uhrmacher meist nur wenige Minuten und kostet laut einem Berliner Fachbetrieb 15 bis 25 Euro, mehr dazu in Kapitel VII. Wie Sie Magnetismus sicher erkennen und was beim Entmagnetisieren mit einem eigenen Gerät zu beachten ist, zeigt der Ratgeber Uhr entmagnetisieren.
Was Unruh und Spiralfeder im Werk genau leisten, erklärt der Beitrag über die Unruh. Eine Quarzuhr wird dagegen in der Regel nicht dauerhaft magnetisiert, mehr dazu in Kapitel VI.
Wenn die Uhr liegt, ändert sich der Gang: Gangreserve, Aufzug und Lage.
Lässt die Energie im Werk nach oder liegt die Uhr anders als sonst, verschiebt sich der Gang. In welche Richtung, hängt vom einzelnen Werk ab.
Eine Automatik bezieht ihre Energie aus der Bewegung Ihres Handgelenks. Wie lange sie ohne Tragen weiterläuft, unterscheidet sich von Werk zu Werk. TMI nennt für das NH35 über 41 Stunden, ETA für das 2824-2 typisch 42. Seiko nennt für das 6R35 und Rolex für das Kaliber 3235 jeweils rund 70 Stunden, Tissot für den Powermatic 80 bis zu 80. Läuft die Feder aus, sinkt die Schwingweite der Unruh, und der Gang verschiebt sich. Eine feste Richtung gibt es dabei nicht: Grand Seiko schreibt für sein eigenes Kaliber nur, dass die Genauigkeit instabil wird. TMI lässt beim NH35 zwischen vollem Aufzug und 24 Stunden später eine Gangänderung von minus 20 bis plus 40 Sekunden am Tag zu. Es hilft, die Uhr täglich zu tragen oder von Hand nachzuziehen.
Auch die Lage beeinflusst den Gang. TMI lässt beim NH35 zwischen der schnellsten und der langsamsten Lage einen Unterschied von unter 60 Sekunden am Tag zu. Miyota erlaubt beim 8215 unter 50, beim 9015 unter 30 Sekunden. Laut Longines werden Uhren je nach Werk in zwei bis acht Positionen eingestellt. Grand Seiko rät, verschiedene Lagen auszuprobieren, um die für die eigene Uhr passende zu finden. Das können Sie nutzen: Notieren Sie im Protokoll aus Kapitel II, wie die Uhr nachts liegt. Läuft sie in einer Lage schneller als in einer anderen, legen Sie sie nachts so ab, dass sich die Tagesabweichung ausgleicht.
Wärme, Kälte, Alter: die leisen Ursachen.
Zwei Ursachen wirken schleichend statt plötzlich: die Temperatur und das alternde Öl im Werk.
Mehrere Hersteller stimmen hier überein: Mechanische Uhren gehen bei Wärme in der Regel eher nach und bei Kälte eher vor. So beschreibt es eine Anleitung von Grand Seiko für das eigene Kaliber, Seiko formuliert es für die eigenen mechanischen Uhren ähnlich. Auch Longines bestätigt das Muster für Automatikuhren allgemein. Andere Kaliber können sich abweichend verhalten.
Der zweite Faktor ist das Alter. Mit den Jahren altert das Schmieröl im Werk, und die Amplitude der Unruh sinkt allmählich, so beschreibt es der Zeitwaagen-Hersteller Witschi. Laut Seiko kann eine Uhr mit gealtertem Öl deutlich vor- oder nachgehen oder ganz stehen bleiben. Zeigt sich das dauerhaft und nicht nur an einzelnen Tagen, ist eine Revision fällig. Wie oft, legen die Hersteller sehr unterschiedlich fest: Seiko nennt für mechanische Kaliber etwa zwei bis drei Jahre, Longines im Kundendienst sechs bis acht, Rolex etwa zehn. Die Übersicht je Hersteller steht im Ratgeber Uhr reinigen und polieren.
Quarzuhr geht vor oder nach: was dahintersteckt.
Auch eine Quarzuhr kann vor- oder nachgehen, etwa durch ein Magnetfeld, die Temperatur oder ein schwergängiges, alterndes Werk.
Standard-Quarzwerke geben Hersteller meist mit plus oder minus 15 Sekunden im Monat an, ein einfaches Modell wie die Casio F-91W mit 30. Die Tabelle in Kapitel I zeigt die Bandbreite. Eine eigene Klasse bilden thermokompensierte Werke: Sie messen die Temperatur laufend und gleichen den Gang direkt aus. Grand Seiko misst die Temperatur im eigenen Quarzwerk 540-mal am Tag und nennt dafür plus oder minus 10 Sekunden im Jahr. Citizen korrigiert beim Caliber 0100 einmal pro Minute und kommt auf plus oder minus 1 Sekunde im Jahr.
Am genauesten läuft ein Quarzwerk laut dem NIST-Beitrag aus Kapitel I meist bei 25 bis 28 Grad. In der Kälte oder nach langer Zeit ohne Tragen kann die Abweichung etwas zunehmen.
Ein Magnetfeld kann den winzigen Schrittmotor eines Quarzwerks stören. Seiko beschreibt ihn als „extrem klein" und leicht durch Magnetfelder beeinträchtigt. Die Uhr kann dann vor- oder nachgehen oder kurz stehen bleiben. Außerhalb des Feldes läuft sie meist wieder normal, Sie stellen anschließend nur die Zeit neu. Bleibend magnetisiert wie ein mechanisches Werk wird ein Quarzwerk damit in der Regel nicht. Ein Entmagnetisiergerät ist für Quarzuhren nicht gedacht: Ein Gerätehersteller warnt ausdrücklich davor, elektrische oder elektronische Uhren damit zu behandeln.
Bei manchen Quarzwerken mit Warnanzeige springt der Sekundenzeiger bei niedriger Spannung in größeren Schritten statt jede Sekunde einzeln. Grand Seiko und Citizen schreiben, dass die Ganggenauigkeit davon unberührt bleibt. Bei Uhren ohne Warnanzeige berichten Werkstätten dagegen von unregelmäßigem Gang, wenn die Batterie nachlässt. Geht eine Quarzuhr trotz frischer Batterie spürbar nach, kann ein schwergängiges, alterndes Werk dahinterstecken, das prüft der Uhrmacher.
Wie ein Batteriewechsel abläuft und welche Zelle die meisten Quarzuhren brauchen, erklärt der Ratgeber Uhr Batterie wechseln.
Funkuhr und Smartwatch: zwei Sonderfälle
Eine Funkuhr stellt sich über ein Zeitsignal selbst nach, in Deutschland meist über DCF77. Das Signal kommt von einem Sender in Mainflingen bei Frankfurt am Main und wird von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt erzeugt. Casio-Module wie 3495 und 5600 versuchen den Empfang nachts zwischen 0 und 5 Uhr, andere bis zu sechsmal am Tag. Gelingt der Empfang nicht, läuft die Uhr mit der Genauigkeit eines Quarzwerks weiter. Für das Modul 3495 nennt Casio dann plus oder minus 15 Sekunden im Monat. In rund 2.000 Kilometern Entfernung vom Sender reicht das Signal laut der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt nur selten noch für Funkarmbanduhren.
Zeigt eine Funkuhr trotz Empfang eine leicht falsche Zeit, kann laut Citizen die Referenzposition der Zeiger verstellt sein, der Weg steht in der Modellanleitung. Bei einer Smartwatch wie der Apple Watch lässt sich die angezeigte Zeit dagegen bewusst vorstellen. Wecker und Mitteilungen richten sich trotzdem weiter nach der tatsächlichen Uhrzeit.
Regulieren, entmagnetisieren, Revision: was der Uhrmacher tut und was es kostet.
Je nach Befund entmagnetisiert, reguliert oder überholt der Uhrmacher das Werk. Die Preise in der Übersicht unten reichen von 10 Euro fürs Regulieren bis 380 Euro für eine große Revision beim Hersteller.
Liegt Ihre gemessene Abweichung aus Kapitel II innerhalb der Herstellerangabe aus Kapitel I, müssen Sie nichts tun, das ist normales Verhalten des Werks. Weicht eine mechanische Uhr um mehrere Minuten am Tag ab, prüfen Sie zuerst mit dem Kompass-Test aus Kapitel III auf Magnetismus. Bei Bedarf lassen Sie die Uhr entmagnetisieren. Bleibt danach eine Abweichung außerhalb der Herstellerangabe, reguliert der Uhrmacher das Werk nach, etwa über Rücker und Abfall. Bleiben es Minuten am Tag, prüft er Spirale und Werk. Liegt die Ursache in gealtertem Öl, ist eine Revision der richtige Schritt. Eingriffe am Werk selbst gehören in jedem Fall in die Hand des Uhrmachers.
Was diese Schritte kosten, fasst die folgende Übersicht zusammen. Die Werte stammen aus den Preislisten von Fachbetrieben wie einem Berliner Uhrmacher und dem Lübecker Uhrenservice sowie von zwei deutschen Uhrenherstellern.
| Leistung | Kosten | Quelle |
|---|---|---|
| Entmagnetisieren | 15 bis 25 € | dieuhrenmacherei.de (Berlin) |
| Regulieren | ab 10 € bzw. nach Kostenvoranschlag | Lübecker Uhrenservice |
| Kleiner Herstellerservice (u. a. Entmagnetisieren und Regulieren, nur für Uhren der eigenen Marke) | Junghans: Automatik 140 €, Handaufzug 105 €; Bruno Söhnle: 120 € | Preislisten Junghans (gültig ab 01.06.2024) und Bruno Söhnle (gültig ab 01.05.2025) |
| Revision Automatik, freie Werkstatt | ab 120 € bzw. ab 149 €, jeweils ohne Ersatzteile | Uhrenwerkstatt Markus Maier (Berlin), Uhrmachermeister Winkler (Chemnitz) |
| Revision Automatik beim Hersteller (großer Service, nur eigene Marke) | Junghans 320 €, Bruno Söhnle 380 € | Preislisten Junghans und Bruno Söhnle |
Diese Preise sind Orientierungswerte der jeweiligen Anbieter zum Stand September 2026, der genaue Preis hängt vom Einzelfall ab. Fragen Sie am besten direkt beim Uhrmacher nach einem Kostenvoranschlag, bevor Sie sich entscheiden.
