Uhr Batterie wechseln: Bodentyp erkennen, bevor Sie ein Werkzeug kaufen.
Eine stehengebliebene Uhr braucht eine neue Batterie, aber welches Werkzeug Sie dafür brauchen, hängt vom Gehäuseboden ab. Diese Anleitung zeigt, wie Sie Druck- und Schraubboden erkennen, ohne die Uhr zu öffnen. Sie erfahren außerdem, welche Zelle die meisten Quarzuhren braucht und wann der Weg zum Fachgeschäft die bessere Wahl ist.
Drehen Sie die Uhr zuerst um: Ein glatter Rand mit kleiner Kerbe spricht für einen Druckboden, sichtbare Schlitze oder Bohrungen für einen Schraubboden. Bestimmen Sie dann die passende Zelle: Bei einem Miyota-6P27-Werk wie in der Hörner Nova ist das eine SR621SW, auch „364" genannt. Fassen Sie die neue Zelle nie mit bloßen Fingern an beiden Polen gleichzeitig an. Im Fachgeschäft kostet der Wechsel bei Standarduhren meist 10 bis 30 Euro.
Den Gehäuseboden erkennen, ohne die Uhr zu öffnen.
Bevor Sie irgendein Werkzeug kaufen, drehen Sie die Uhr einmal um. Der Gehäuseboden zeigt Ihnen, welches Werkzeug Sie brauchen, wenn Sie wissen, worauf Sie achten. Das betrifft ausschließlich Quarzuhren: Bei einer Automatikuhr gibt es keine Batterie zu wechseln.
Am häufigsten ist der Druckboden, auch Sprungboden genannt: ein glatter Rand, oft mit einer kleinen Kerbe oder Aussparung für die Messerklinge. So ist auch die Hörner Nova gebaut. Beim Schraubboden sehen Sie dagegen Kerben, Schlitze oder zwei kleine Bohrungen am Rand für die Klauen eines Bodenöffners. Manchmal ist es auch nur eine leicht erhabene, geriffelte Kante statt sichtbarer Schlitze. Gerade diese Variante wird häufig mit einem Druckboden verwechselt. Prüfen Sie im Zweifel genauer. Eine dritte, seltenere Bauart hält den Boden nicht über ein Gewinde, sondern über mehrere kleine Einzelschrauben am Rand. Ein Bajonettboden mit kurzer Einkerbung am Ende des Schraubwegs kommt gelegentlich bei sogenannten Superkompressor-Gehäusen vor, in der Praxis begegnen Sie ihm selten. Ganz ohne separaten Boden kommt ein Monoblock-Gehäuse aus, dort führt der einzige Zugang über das Uhrenglas.
Ein zweiter, äußerer Hinweis hilft ohne jedes Werkzeug: die aufgedruckte Wasserdichtigkeits-Angabe. Das ist eine Tendenz, keine feste Regel. Ab etwa 100 Metern, wie bei Sport- und Taucheruhren mit meist verschraubter Krone, überwiegt der Schraubboden. Bei rund 30 bis 50 Metern, dem Bereich klassischer Kleideruhren, überwiegt der Druckboden. Die Nova mit ihren 5 ATM und dem bestätigten Druckboden fügt sich genau in dieses Muster ein. Das zeigt: Die Heuristik trägt in der Praxis, auch wenn sie keine Garantie ist.
| Bodentyp | Erkennungszeichen | Werkzeug |
|---|---|---|
| Druckboden | Glatter Rand, oft kleine Kerbe | Gehäusemesser |
| Schraubboden, Klauentyp | Zwei oder mehr Bohrungen/Schlitze am Rand | Bodenöffner mit Klauen oder Vierkant |
| Schraubboden, Einzelschlitz | Ein breiter Schlitz quer über den Boden | Münze (z. B. 1- bis 5-Cent) oder passender Schraubendreher |
| Boden mit Einzelschrauben | Mehrere kleine Schrauben am Rand verteilt | Kleiner Kreuzschraubendreher |
Auch größere Uhrenketten erläutern diese Unterscheidung in ihren Serviceanleitungen, die Grundlogik ist über Fachhandel und Hersteller hinweg dieselbe.
Welche Zelle Ihre Uhr braucht.
In der gesamten Nova-Linie ist ein Miyota-6P27-Quarzwerk verbaut. Die passende Zelle ist eine SR621SW, auch unter der Bezeichnung „364" geführt, 1,55 Volt Silberoxid. Das bestätigt die Kaliberseite des Herstellers, dieselbe Angabe findet sich unabhängig bei mehreren Ersatzteilhändlern.
Verwechseln Sie die SR621SW nicht mit ähnlich klingenden Typen: Die SR626SW, auch „377" genannt, ist der insgesamt häufigste Zellentyp in Quarzuhren. Sie ist aber knapp 0,5 Millimeter höher und passt deshalb nicht in jedes Gehäuse, das für eine SR621SW ausgelegt ist. Die SR920SW oder „371" ist für größere, leistungshungrigere Werke gedacht, etwa Chronographen, und hier nicht relevant.
| Bezeichnung | Auch genannt | Einsatz |
|---|---|---|
| SR621SW | „364" | Miyota 6P27, u. a. Hörner Nova |
| SR626SW | „377" | Häufigster Typ allgemein, ca. 0,5 mm höher |
| SR920SW | „371" | Größere Werke, z. B. Chronographen |
Silberoxid-Zellen wie die SR621SW liefern über die gesamte Entladedauer eine konstantere Spannung als vergleichbare Alkaline-Batterien, das kommt der gleichbleibenden Ganggenauigkeit zugute. Sind Sie sich bei einer anderen Uhr nicht sicher, welche Zelle hineingehört: Die zuverlässigste Quelle ist die Prägung auf der alten Zelle selbst, ersatzweise eine Kreuzreferenztabelle beim Fachhändler. Der Mythos „jede Batterie mit passender Spannung passt schon" stimmt nur bedingt. Gleiche Chemie und eine ähnliche Spannung schaden selten. Eine falsche Chemie wie eine 3-Volt-Lithiumzelle anstelle der 1,55-Volt-Silberoxidzelle oder eine falsche Baugröße kann dagegen sehr wohl schaden.
Miyota gibt für das 6P27-Kaliber eine Batterielaufzeit von drei Jahren an, gemessen unter Laborbedingungen am Werk selbst. Wie lange die Zelle in Ihrer eigenen Nova tatsächlich hält, kann je nach genutzten Funktionen und Tragehäufigkeit abweichen. Mehr zur Verarbeitung insgesamt lesen Sie im Ratgeber Woran erkennt man eine gute Uhr.
Das Werkzeug, je nach Boden.
Für den Druckboden brauchen Sie ein Gehäusemesser. Setzen Sie es mit dem vorderen, flachen Teil der Klinge in die Kerbe, nicht mit der Spitze, sonst rutscht es leicht ab. Für einen Schraubboden mit Bohrungen für Klauen brauchen Sie einen Bodenöffner mit verstellbaren Klauen oder Vierkant. Beim selteneren Einzelschlitz-Typ reicht notfalls eine Münze, etwa eine 1- bis 5-Cent-Münze. Bei einem Boden mit Einzelschrauben wiederum genügt ein kleiner Kreuzschraubendreher. In allen Fällen hilft ein Gehäusehalter, damit die Uhr beim Arbeiten nicht verrutscht, dazu eine weiche Unterlage, eine Lupe und ein kleines Gefäß für die Kleinteile.
Für die Zelle selbst brauchen Sie zusätzlich eine Kunststoffpinzette. Mehr dazu im nächsten Kapitel.
Klauen oder Klinge müssen genau zum Gehäuse passen. Ist das Werkzeug zu klein, verkantet es, ist es zu groß, rutscht es ab und hinterlässt eine Spur, die bleibt. Dieselbe Regel gilt beim Kürzen eines Gliederarmbands, siehe Ratgeber Uhrenarmband kürzen.
Schritt für Schritt: die Zelle wechseln.
Mit dem passenden Werkzeug aus dem letzten Kapitel gehen Sie so vor:
- Uhr vorbereiten. Reinigen Sie das Gehäuse außen, trocknen Sie es gut ab und legen Sie die Uhr in den Gehäusehalter. Wie Sie ein Gehäuse routinemäßig sauber halten, lesen Sie im Ratgeber Uhr reinigen.
- Boden öffnen. Setzen Sie beim Druckboden das Messer flach in die Kerbe und hebeln Sie in kleinen, kontrollierten Bewegungen rundherum, bis sich der Boden löst. Verwenden Sie bei den übrigen Bodentypen das passende Werkzeug aus Kapitel III.
- Fotografieren. Halten Sie die Lage von Zelle und Haltefeder fest, bevor Sie etwas anfassen. Das erspart Ihnen beim Zusammenbau jedes Rätselraten.
- Alte Zelle entnehmen. Lösen Sie die Haltefeder und nehmen Sie die Zelle mit der Kunststoffpinzette heraus. Berühren Sie dabei nie beide Pole gleichzeitig mit bloßen Fingern oder einer Metallpinzette, das kann die Zelle kurzschließen und im schlimmsten Fall das Werk beschädigen.
- Neue Zelle bestimmen. Lesen Sie die Typenbezeichnung von der alten Zelle ab, vergleichen Sie sie mit Kapitel II und legen Sie die neue Zelle polrichtig ein.
- Schließen. Setzen Sie die Haltefeder zurück, prüfen Sie die Dichtung auf sichtbare Schäden und schließen Sie dann den Boden. Bei einem Druckboden mit gleichmäßigem Druck rundherum, bei einem Schraubboden handfest, nicht mit voller Kraft.
- Prüfen. Stellen Sie die Zeit und kontrollieren Sie, ob die Uhr sauber läuft.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung kann eine verschluckte Knopfzelle an feuchten Schleimhäuten einen Stromfluss auslösen, der zu schweren Verätzungen führen kann. Gewebeschäden können schon nach rund zwei Stunden auftreten. Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Zelle verschluckt hat, sollte es umgehend in einer Kinderklinik untersucht werden. Bewahren Sie alte und neue Zellen deshalb immer außer Reichweite von Kindern auf.
Was das Öffnen mit der Wasserdichtigkeit macht.
Kurz gesagt: Jedes Öffnen gefährdet die Wasserdichtigkeit, unabhängig vom Bodentyp. Beim Öffnen verliert die Bodendichtung einen Teil ihrer Klemmkraft, das Glas kann feine Mikrorisse bekommen, und die Aufzugswelle wird bewegt.
In der Fachpraxis wird die Dichtung deshalb geprüft und meist ersetzt, gefolgt von einem Drucktest. Eine spezialisierte Uhrenwerkstatt beschreibt dafür einen trockenen Drucktest mit 6 bar. Er kostet rund 10 Euro mehr als ein reiner Batteriewechsel und ist damit eine kleine Zusatzausgabe gegen das Risiko teurer Feuchtigkeitsschäden am Werk, wie es auch der Kosten-Rahmen in Kapitel VIII zeigt. Eine fachlich geprüfte, unbeschädigte Dichtung kann dabei durchaus weiterverwendet werden, zwingend ist der Tausch also nicht, in der Praxis ist er aber die Regel.
Für die Kennzeichnung gilt: ISO 22810 ist die Norm für alltagstaugliche wasserfeste Uhren, ISO 6425 gilt eigens für Taucheruhren mit deutlich höheren Anforderungen. Verwechseln Sie die beiden nicht, eine Alltagsuhr nach ISO 22810 ist keine Taucheruhr, selbst bei ähnlicher Meterangabe. Bei einem Schraubboden kommt hinzu: Das Anzugsmoment beim Wiederverschließen von Hand exakt zu treffen ist schwieriger als bei einem Druckboden, wo kein Gewinde im Spiel ist. Mehr zu ATM- und Bar-Angaben lesen Sie im Ratgeber Uhr wasserdicht.
Woran Sie eine leere Batterie erkennen.
Bei manchen Quarzwerken springt der Sekundenzeiger bei niedriger Spannung in Zwei- bis Vier-Sekunden-Schritten, statt jede Sekunde einzeln vorzurücken. Danach läuft die Uhr meist noch ein bis zwei Wochen weiter. Das ist ein allgemeines Verhalten mancher Quarzwerke, keine feste Eigenschaft eines bestimmten Kalibers. Beobachten Sie es am besten direkt an Ihrer eigenen Uhr. Weitere Anzeichen sind ein vollständiges Stehenbleiben oder eine spürbar schwankende Ganggenauigkeit.
Die eigentliche Dringlichkeit liegt dabei nicht im Stehenbleiben selbst. Das größere Risiko ist austretendes Elektrolyt aus einer stark entladenen Zelle, das Kontakte und Werk angreifen kann. Wechseln Sie eine erkennbar schwache Batterie deshalb zügig, statt abzuwarten, bis die Uhr ganz stehen bleibt.
Ausgelaufen, magnetisiert, eingelagert: drei Halbwahrheiten.
„Eine ausgelaufene Batterie bedeutet, die Uhr ist hinüber." So pauschal stimmt das nicht. Entscheidend ist die Zeit bis zur Reinigung, nicht die Leckage selbst. Wer zügig reagiert, rettet in vielen Fällen das Werk. Das ist kein Freifahrtschein zum Abwarten, ordnet das Risiko aber ehrlicher ein als die Angstmacherei, die in vielen Foren kursiert.
„Magnete zerstören Quarzuhren." Zerstören nicht, aber stören schon: Der Schrittmotor eines Quarzwerks ist laut Seiko „extrem klein" und kann durch Magnetfelder leicht beeinträchtigt werden. Die Uhr kann dann vor- oder nachgehen oder kurz stehen bleiben. Außerhalb des Feldes läuft sie meist wieder normal, Sie stellen danach nur die Zeit neu. Bleibend magnetisiert wie ein mechanisches Werk wird ein Quarzwerk in der Regel nicht. Wie Sie das von anderen Ursachen unterscheiden, zeigt der Ratgeber Uhr geht vor oder nach.
„Die Batterie muss bei längerer Nichtnutzung raus." Darüber gehen selbst erfahrene Uhrenbesitzer auseinander. Die einen entnehmen die Zelle vorsorglich ab etwa sechs Monaten Pause, andere berichten von jahrzehntelanger Lagerung ohne jede ausgelaufene Batterie. Eine allgemeingültige Regel lässt sich daraus nicht ableiten, behandeln Sie es als persönliche Abwägung zwischen Aufwand und Sicherheitsgefühl.
Kosten, Fachgeschäft und die alte Zelle.
Bei Standarduhren kostet der Batteriewechsel im Fachgeschäft üblicherweise 10 bis 30 Euro inklusive Zelle. Bei hochwertigeren Uhren mit Dichtungstausch und Drucktest liegt die Spanne eher zwischen 25 und teils 50 bis 100 Euro und mehr. Die Zelle allein kostet einzeln meist 5 bis 20 Euro. Wie lange der Service dauert, hängt stark vom Anbieter ab. Eine seriöse Pauschalzahl gibt es dafür nicht, fragen Sie am besten direkt beim Fachgeschäft nach. Manche größere Ketten bieten auch einen Einsendeservice an, bei dem der Preis die Wasserdichtigkeitsprüfung bereits einschließt.
| Uhrentyp | Kosten | Enthält |
|---|---|---|
| Standarduhr | 10–30 € | Zelle, einfacher Wechsel |
| Hochwertige Uhr | 25–100 €+ | Zelle, Dichtungstausch, Drucktest |
| Zelle einzeln | 5–20 € | Ohne Arbeitsleistung |
Ein nützlicher Rahmen für die Entscheidung selbst wechseln oder wechseln lassen: 10 bis 30 Euro beim Profi stehen einem möglichen dreistelligen Folgeschaden gegenüber. So viel kann es kosten, wenn beim Öffnen etwas schiefgeht. Bei einer Uhr mit laufender Gewährleistung fragen Sie besser vorher nach, ob ein Selbstwechsel die Garantie berührt.
Zum Schluss die alte Zelle: Uhrenbatterien gehören nicht in den Hausmüll. Jeder Händler, der Batterien verkauft, muss haushaltsübliche Mengen kostenlos zurücknehmen, unabhängig davon, wo Sie die Zelle ursprünglich gekauft haben. Auch der nächste Wertstoffhof nimmt sie an.
