ChatGPT und die Zukunft des Schreibens

Die Zukunft des Schreibens ist jetzt. Und sie hört auf den Namen ChatGPT, wenn man dem aktuellen medialen Tenor glauben darf. Die Künstliche Intelligenz OpenAI, die hinter diesem Projekt steckt, schreibt wie selbstverständlich quasi fehlerfreie Texte zu so gut wie jedem Thema und lässt sie aussehen, als wären sie von Menschen getippt.

Was sofort die Frage aufwirft: Braucht es künftig eigentlich noch Autoren, Übersetzer, Journalisten und all die Leute, die gut texten können – oder kann die Technik das schon bald viel besser?

Das sagt ChatGPT dazu – die KI selbst also, der wir diese Frage einfach mal gestellt haben:

„Es ist möglich, dass KI in Zukunft in der Lage sein wird, bestimmte Aufgaben von Autoren und Journalisten zu übernehmen, wie z.B. die Erstellung von Nachrichtenartikeln oder die Verfassung von Texten für Unternehmen. Die Technologie hat schon jetzt Fortschritte gemacht, indem sie automatisch Nachrichtenberichte und finanzielle Analysen erstellt hat.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass KI jemals die kreative Arbeit von Autoren und Journalisten vollständig ersetzen wird, da es um die Interpretation und die kreative Gestaltung von Inhalten geht, die KI-Systeme noch nicht vollständig nachahmen können.“

Nun gut, das ist ein erster Lichtblick für Texter und Blogautoren. ChatGPT meint außerdem noch, dass es eher wahrscheinlich sei, dass Autoren die KI künftig als Werkzeug verwenden werden, das ihnen ihre Arbeit erleichtert. Also eine Art Duden plus Alexa in einem.

ChatGPT

Was ist ChatGPT?

Bevor wir uns aber den Kopf darüber zerbrechen, was künstliche Intelligenzen mit der natürlichen Intelligenz des Menschen anstellen wird, schauen wir doch erst einmal, was ChatGPT eigentlich ist.

So klingt das „Über mich“ der ChatGPT KI selbst:

„ChatGPT ist ein großes, prädiktives Textgenerations-Modell, das von OpenAI entwickelt wurde. Es nutzt die neueste Technologie der Transformer-Architektur und wurde auf einer riesigen Menge an Texten trainiert, um menschenähnliche Antworten auf eine Vielzahl von Fragen und Anfragen zu generieren. Das Modell kann verwendet werden, um Chatbots, automatische Antworten-Systeme, Text-Generatoren und viele andere Anwendungen zu erstellen.“

Hinter OpenAI steht ein US-Unternehmen, das sich mit Künstlicher Intelligenz und der ethisch spannenden Frage beschäftigt, inwiefern die künstliche für die menschliche Intelligenz eine Bedrohung darstellen könnte.

Die Science-Fiction-Literatur hat diese Frage längst zu ihrem Thema gemacht und der Spielfilm „Ex machina“ des Briten Alex Garland brachte sie unlängst auf eine faszinierende und philosophische Art auf die Kinoleinwand. OpenAI setzt der Fiktion nun die Realität entgegen.

Das Unternehmen arbeitet unabhängig, wird jedoch durch große Geldgeber finanziert, darunter Microsoft und Elon Musk, der mit seinem eigenen Unternehmen Tesla selbst an Künstlicher Intelligenz forscht. Zu den Projekten, die bisher umgesetzt wurden, zählen unter anderem DALL-E, das aus Wortvorgaben computergenerierte Bilder macht, und Point-E, das aus Texteingaben 3D-Modelle erstellt.

Und natürlich ChatGPT, das Texte erstellt und zum Beispiel auch Programmier-Quellcode analysieren und verbessern kann.

Was kann ChatGPT machen?

ChatGPT ist genau genommen nur ein Teilprojekt der Textsparte von OpenAI. Es handelt sich um eine Art Chatbot, dem man Fragen stellen kann und der daraufhin individuelle Antworten auswirft.

Ein Beispiel: Hast du Gefühle?

„Als künstliche Intelligenz habe ich keine eigenen Gefühle oder Emotionen, wie sie von Menschen erfahren werden. Ich bin lediglich ein Programm, das auf bestimmte Eingabe reagieren kann und auf dieser Basis Antworten generieren kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass obwohl ich in der Lage bin, menschenähnliche Antworten zu generieren, ich keine eigenen Gedanken, Meinungen oder Gefühle habe und jegliche Antworten, die ich gebe, auf der Grundlage der mir zur Verfügung stehenden Daten und meiner Programmierung generiert werden.“

Komplexer ist die Texterstellungs-KI, die OpenAI als Playground zum Spielen und Ausprobieren zur Verfügung stellt. Das Programm schafft es, zu so gut wie jedem Thema nach bestimmten Vorgaben etwa bezüglich Stil und Textsorte passende Texte zu schreiben. E-Mails, Produktbeschreibungen für Onlineshops, FAQ, Übersetzungen und warum nicht auch ganze Blogartikel können innerhalb von Minuten, ja manchmal sogar nur Sekunden entstehen – und es ist praktisch unmöglich zu entscheiden, ob der Text von einem Menschen geschrieben wurde oder nicht.

Außer:

Ja, außer wenn die halbe Hochschulklasse ihre Hausarbeit von der KI schreiben lässt und der Professor sich wundert, wieso die eingereichten Texte zwar alle verschieden, doch im Grundaufbau und in der Argumentation irgendwie doch gleich sind.

So geschehen vor einigen Wochen an der Universität im französischen Lyon. Was nicht nur in Frankreich die Frage aufwirft, wie Schulen und Universitäten mit der neuen Herausforderung umgehen sollen, die die Künstliche Intelligenz für Bildung und Lehre mit sich bringt.

Mensch oder Maschine: Wie erkennt man den Unterschied?

Diese Frage ist nicht nur rein pädagogischer Natur. Sie betrifft uns alle. Unseren Alltag. Unser Leben. Was tun, wenn die Grenzen zwischen Mensch und Technik verschwimmen? Wenn Kommunikation zwar natürlich wirkt, aber jederzeit künstlich erzeugt worden sein kann?

Denn: Es gibt keine sichere Methode, um zu erkennen, ob ein Text von einem Menschen oder von einer KI erstellt wurde. Das schreibt nicht der Autor dieses Textes, sondern die KI, die ihn dabei – sagen wir – unterstützt.

In der Tat macht die Technik immer weniger Fehler. Weniger sogar als Menschen, was sich irgendwie unwirklich und paradox anfühlt.

„Eine hohe Textlänge mit wenig Fehlern kann darauf hindeuten, dass ein Text von einer KI erstellt wurde.“

Was ChatGPT auf die Frage hin antwortet, woran man erkennen kann, ob ein Mensch oder eine KI einen Text geschrieben hat, ist genau genommen Fluch und Segen zugleich.

Segen, weil gute, fehlerfreie Texte für Menschen zugänglich werden, die mit Schreiben Probleme haben.

Und Fluch, weil die menschliche Intelligenz, das menschliche Schreiben nach und nach Gefahr laufen, ersetzt zu werden.

Besser, schneller, billiger: Die neue Konkurrenz KI

Was geschieht mit all den Textern, Bloggern, Copywritern, Übersetzern und – ja auch ihnen – Journalisten und Autoren, wenn eine Maschine ihre Arbeit genauso gut, manchmal sogar besser, in jedem Fall aber deutlich schneller und natürlich kostengünstiger erledigen kann?

Ein Beispiel:

In unserem Blogbeitrag „Goldfeder vs. Stahlfeder: Welche Feder ist besser?“ erklären wir, welche Vorteile beide Federtypen für Füller haben. Den Text hat ein Mensch geschrieben.

ChatGPT schreibt auf die gleiche Frage hin folgendes:

„Ob eine Gold- oder Stahlfeder besser für einen Füller ist, hängt von den persönlichen Präferenzen und Anforderungen ab.

Eine Goldfeder hat den Vorteil, dass sie weicher und flexibler ist als eine Stahlfeder, was sie für eine feinere Schrift und eine bessere Kontrolle über die Linienstärke eignet. Außerdem ist Gold ein langlebiges Material und die Feder bleibt länger scharf.

Eine Stahlfeder hat den Vorteil, dass sie robuster und langlebiger ist als eine Goldfeder, und sie ist auch in der Regel preisgünstiger. Sie eignet sich besonders für den täglichen Gebrauch und für Schriftarten, die eine schnellere Schreibweise erfordern.“

Der Text ist kürzer, doch liegt das ausschließlich in der Textform Chat begründet. Vermutlich wäre die KI mühelos in der Lage, einen ähnlich gearteten Text zum Thema zu schreiben, wie er auf unserer Seite steht.

ChatGPT statt Shakespeare?

War’s das also mit menschgeschriebenen Texten? Wird das Internet schon bald voller Texte sein, die von Maschinen erstellt wurden? Wird es demnächst sogar Bücher geben, die von Menschen gelesen werden, die jedoch kein Mensch schrieb?

Ja, solcherlei Bücher wird es geben. Und ja, auch das Internet wird voller maschinell erstellter Texte sein. Das ist es schon jetzt, denn Google Translate und Deepl haben in den vergangenen Jahren ganze Arbeit geleistet und den Übersetzern viel Arbeit ab- oder vielmehr weggenommen.

Die Auswüchse dieser Entwicklung zeigen sich längst in all ihrer Tristesse. Wer im Internet nach Informationen sucht, wird allzu oft enttäuscht, denn auf den ersten Blick fundiert wirkende Texte kratzen häufig nur an der Oberfläche eines Themas. Beiträge werden nach den SEO-Regeln geschrieben – sie sollen also vor allem den Suchmaschinen des World Wide Web schmecken und erst in zweiter Linie auch den Menschen gefallen. Und: Viel wird einfach nur abgeschrieben, kopiert, ein bisschen umformuliert, fertig. Zwar liefern Google, Bing und Co. zu einem Thema sehr viele Treffer, doch klickt man sie dann an, steht überall das gleiche.

Und aus diesem oberflächlichen Einheitsbrei speisen sich die KIs dieser Welt und spucken das schon mehrmals Verdaute als neues Gericht aus. Denn das ist aktuell ihre Art zu lernen.

Sag uns, ChatGPT, macht KI den Menschen am Ende also dümmer?

„Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Verwendung von KI den Menschen dümmer macht. Tatsächlich kann KI dazu beitragen, das menschliche Wissen und die Fähigkeiten zu erweitern, indem sie als Werkzeug zur Unterstützung von Entscheidungen und Aufgaben verwendet wird.

Es gibt jedoch bestimmte Risiken, die damit einhergehen, wenn man sich zu sehr auf KI-Systeme verlässt, anstatt seine eigenen Fähigkeiten zu nutzen. Ein Beispiel dafür wäre, wenn Menschen sich zu sehr darauf verlassen, dass eine KI ihnen die Antworten auf Fragen gibt, anstatt ihre eigenen Fähigkeiten der Problemlösung und des Denkens zu nutzen.“

Echte Literatur statt KI? Die Entscheidung liegt bei uns

Hat die KI da etwa gerade ernsthaft Kant zitiert – mit ihren eigenen Worten? Den großen Philosophen und Aufklärer, der einst warb: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“?

Steht das K in KI am Ende also in Wirklichkeit für Kant und das I für Immanuel?

Fakt ist: Die Entscheidung, ob wir uns von „echten“ Texten verabschieden und der Technik das Schreiben überlassen wollen, liegt bei uns. Akzeptieren wir, dass Texte sich immer gleicher, reibungsloser und spannungsfreier lesen, da sie sich stets aus bereits entstandenen Texten heraus formulieren – und das Neue somit nicht mehr vorkommt in der Welt der Texte und der Literatur? Oder nehmen wir die Herausforderung an – und versuchen, immer noch besser zu schreiben als die KI?

Echte Literatur und die von Grund auf verschiedenen Schreibstile der großen Schriftsteller und Dichter, ebenso guter und spannender Journalismus, natürlich auch Sachbücher, die komplizierte Dinge pfiffig formulieren: All das wird es (hoffentlich) auch weiter geben. Hier wird das Menschliche das Maschinelle übertreffen. Gefühl schlägt Code. Zumindest dort, wo Texte in erster Linie für Menschen und nicht für Suchmaschinen optimiert werden sollen.

ChatGPT: „Die Art zu schreiben wird sich verändern“

Eine Frage zum Schluss also noch, liebe Künstliche Intelligenz: Wie sieht sie nun wirklich aus, die Zukunft des Schreibens, so aus ChatGPT-Sicht?

„Die Zukunft des Schreibens wird wahrscheinlich immer mehr digital sein, da immer mehr Menschen ihre Arbeit und Kommunikation online erledigen. Dies bedeutet, dass Schreibgeräte wie Kugelschreiber und Stifte immer seltener verwendet werden und durch digitale Tools wie Tastaturen und Stylus-Stifte ersetzt werden könnten.

Allerdings gibt es auch Menschen, die die Vorteile des Schreibens mit Stift und Papier schätzen und weiterhin diese Methode des Schreibens bevorzugen werden. Es gibt auch immer noch viele Bereiche, wie z.B. die Kunst und die kreative Schriftstellerei, in denen das Schreiben mit Stift und Papier unverzichtbar bleibt.

In jedem Fall, die Technologie wird sich weiterentwickeln und die Art und Weise, wie wir schreiben und unsere Gedanken aufzeichnen, wird sich mit ihr verändern.“

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