Dresscode Business, auch Business Attire, bezeichnet die mittlere von vier Stufen der Bürokleidung: Anzug, einfarbiges Hemd und geschlossene Schuhe, Krawatte optional. Verbindlich ist davon nichts, es handelt sich um betriebliche Konvention und nicht um eine Norm. Nur Business Formal ist eindeutig beschrieben, Business Casual hat bis heute keine belastbare Definition.
Was der Dresscode Business verlangt.
Der Dresscode Business verlangt einen Anzug in gedeckter Farbe, ein einfarbiges Hemd und geschlossene Lederschuhe. Die Krawatte ist in vielen Häusern optional geworden, bleibt aber Teil der strengeren Lesart. Er bildet die mittlere von vier Stufen und die einzige, die im deutschen Sprachgebrauch zwei Namen trägt: Business und Business Attire meinen dasselbe.
Entscheidend ist der Status dieser Angaben. Keine der vier Stufen ist irgendwo verbindlich festgelegt. Es existiert keine Institution, die Business Casual definiert, und kein Text, auf den sich zwei Unternehmen berufen könnten, wenn sie unterschiedlicher Auffassung sind. Übrig bleiben gewachsene Konventionen, die von Branche zu Branche und von Haus zu Haus abweichen. Deshalb trägt die Tabelle unten eine dritte Spalte: wie fest die jeweilige Stufe überhaupt ist.
| Stufe | Was üblicherweise erwartet wird | Wie fest ist das? |
|---|---|---|
| Business Formal | Dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, schwarze Schnürschuhe | Am festesten. Liegt nahe an der überlieferten Etikette |
| Business (Business Attire) | Anzug in Marine, Anthrazit oder Grau, einfarbiges Hemd, Krawatte optional | Konvention, je Haus verschieden |
| Business Casual | Sakko oder feiner Strick zu Stoffhose, Hemd ohne Krawatte | Keine belastbare Definition |
| Smart Casual | Sakko zu Chino, Hemd oder feiner Strick, gepflegte Schuhe | Am unschärfsten |
Dieser Text behandelt die Herrengarderobe. Die Stufenlogik gilt für Damen gleichermaßen, die konkreten Kleidungsstücke unterscheiden sich jedoch, und wir führen keine Damenbekleidung. Empfehlungen zu Damenbekleidung überlassen wir deshalb den entsprechenden Fachleuten.
Was davon noch gilt: die Zahlen.
Der Dresscode Business hat sich messbar gelockert, und zwar deutlicher, als die Ratgeberliteratur nahelegt: Zwei Prozent der Büroangestellten können sich vorstellen, täglich eine Krawatte zu tragen. Die Zahl stammt aus einer Befragung der Unternehmensberatung BearingPoint, die zwischen August 2021 und Februar 2022 über 1.000 Büroangestellte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Bürokleidung der Zukunft befragt hat.
Genau genommen lautet die Frage, ob sich die Befragten eine Krawatte oder ein Halstuch täglich vorstellen können, und 62 Prozent wollen auch nach der Rückkehr ins Büro bei T-Shirt und Pullover bleiben. Die Ausgaben zeigen dasselbe Bild: Die jährlichen Aufwendungen für Bürokleidung sanken im Schnitt von rund 1.176 Euro im Jahr 2019 auf rund 480 Euro.
Der Rückgang verteilt sich dabei nicht gleichmäßig, und die Reihenfolge überrascht. Am stärksten brach die Investitionsbereitschaft in Chemicals und Life Sciences ein, um 72 Prozent, gefolgt von Banking und Capital Markets mit 65 Prozent sowie Utilities, Postal und Transportation mit 64 Prozent. Am geringsten fiel der Rückgang im Versicherungssektor aus, mit 39 Prozent. Die Branchen mit dem strengsten Ruf sind also nicht die, die am Anzug festhalten. Die vollständigen Zahlen stehen in der Studienveröffentlichung als PDF.
Zwei Prozent der Büroangestellten können sich vorstellen, täglich eine Krawatte zu tragen.BearingPoint, Bürokleidung der Zukunft, Befragung 2021 bis 2022, über 1.000 Büroangestellte in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Dasselbe lässt sich am Warenstrom ablesen. Nach einer Sonderauswertung des Modeverbands Germanfashion aus der amtlichen Außenhandelsstatistik, veröffentlicht über eine dpa-Meldung vom 11. März 2024, sanken die deutschen Einfuhren von Krawatten und Schleifen von 14,4 Millionen Stück im Jahr 2014 auf knapp 4,8 Millionen im Jahr 2023. Die Ausfuhren gingen im selben Zeitraum von 5,2 auf 2,1 Millionen Stück zurück.
Es handelt sich um eine Verbands-Sonderauswertung, nicht um eine eigene Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts. Eine zitierfähige amtliche Fundstelle mit genau diesen Werten existiert nicht. Wer nachrechnen möchte, findet die Mengen in Stück in GENESIS-Online unter den Warennummern 6215 10 00, 6215 20 00 und 6215 90 00. Gewirkte Krawatten der Position 6117 sind darin nicht enthalten, der Markt wird also nicht vollständig abgebildet.
Woher die Codes kommen.
Die Lockerung hat einen dokumentierten Ursprungsort: Hawaii, fern der Konzernzentralen. Die Hawaii Fashion Guild verteilte 1962 in der Aktion „Operation Liberation“ Aloha-Hemden an sämtliche Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat des Bundesstaats. Ab 1965 warb sie unter ihrem Präsidenten Bill Foster Sr. für einen freitäglichen Aloha-Tag, und 1966 empfahl der Senat von Hawaii per Resolution das Tragen von Aloha-Kleidung am Freitag.
Auf dem US-Festland dauerte es zwei Jahrzehnte. Die St. James Encyclopedia of Popular Culture datiert das Aufkommen auf die mittleren 1980er Jahre und die Verbreitung auf die frühen 1990er. Den Ausschlag gab eine Marketingaktion: 1992 verschickte Levi Strauss unter der Marke Dockers einen Leitfaden zu legerer Bürokleidung an rund 25.000 Personalverantwortliche. Mitte der 1990er Jahre praktizierte etwa die Hälfte der 1.000 größten US-Unternehmen einen Casual Friday.
Eine verbreitete Vorgeschichte hält der Prüfung dagegen nicht stand. Hewlett-Packard, heißt es häufig, habe schon in den 1950er Jahren freitags lockere Kleidung erlaubt. Ein Beleg aus dem Unternehmen selbst fehlt: weder in „The HP Way“ noch in den Firmenpublikationen findet sich eine entsprechende Kleiderordnung. Die firmennahe Überlieferung berichtet sogar das Gegenteil, nämlich dass ein freitäglicher Sondertag vorgeschlagen und wegen des Produktivitätsverlusts wieder fallengelassen wurde. Die Episode bleibt deshalb eine ungesicherte Zuschreibung.
Der eigentliche Grund für das Monopol des dunklen Anzugs liegt weiter zurück. Warum Männer der westlichen Oberschicht am Ende des 18. Jahrhunderts auf Farbe und Zierform verzichteten, beschreibt der Beitrag zur Bedeutung von Old Money.
Die Ebene, die übrig bleibt.
Vier Gegenstände bleiben durch jede der vier Stufen hindurch sichtbar: Tasche, Schreibgerät, Geldbörse und Uhr. Je lockerer der Anzug wird, desto mehr Gewicht tragen sie, denn sie gehen ohnehin täglich mit. Auf dieser Ebene sprechen wir aus eigener Sortimentskenntnis, im übrigen Text ordnen wir nur ein.
Die Tasche richtet sich nach dem Inhalt. Unterlagen und Schreibgerät passen in eine Konferenzmappe im A4-Format, für einen Rechner braucht es eine Tasche. Welche Bauform wann trägt, steht im Ratgeber zur Konferenzmappe und für die größere Variante im Ratgeber zur Laptoptasche.
Das Schreibgerät ist der einzige dieser vier Gegenstände, den ein Gegenüber in die Hand nimmt, nämlich dann, wenn unterschrieben wird. Wer eine Gravur möchte, findet sie bei vielen unserer Schreibgeräte, etwa beim Nobilis Kugelschreiber und bei den Limited Editions. Bei den Vollmetall-Serien entfällt sie. Worauf es bei der Mechanik ankommt, steht im Ratgeber zum guten Kugelschreiber.
Die Geldbörse wird selten gesehen und dann sehr genau. Zwischen der klassischen Brieftasche, dem flachen Slim Wallet und dem reinen Kartenetui entscheidet weniger der Anlass als die Frage, wie viel Bargeld tatsächlich mitgeht. Die Bauformen sind im Überblick zu Herren-Portemonnaies gegenübergestellt.
Die Uhr ist der Gegenstand, um den sich die meisten Behauptungen ranken. Welche Merkmale eine Uhr zu einer bürotauglichen machen, ist im Beitrag zur Uhr im Old-Money-Register ausgeführt. Welchen Status diese Merkmale haben, ob Norm, Konvention oder bloße Behauptung, klärt das folgende Kapitel.
Drei Regeln, die keine sind.
Ein großer Teil dessen, was als Kleiderregel weitergegeben wird, hält der Frage nach der Quelle nicht stand. Das ist kein Vorwurf an die Konvention, denn Konventionen funktionieren auch ohne Kodifikation. Es ist ein Unterschied im Status, und er hilft bei der Entscheidung, wann man abweichen darf.
Erstens, die Uhr zum Anzug. Für das Tragen einer Armbanduhr zu Anzug oder Business-Outfit existiert weder eine technische Norm noch eine allgemeinverbindliche Protokollvorschrift. Die Uhren-Normen, die es gibt, regeln ausschließlich Technik: ISO 22810 die Wasserdichtheit von Alltagsuhren, ISO 6425 die Anforderungen an Taucheruhren. Zur Trageweise sagt keine von ihnen etwas. Auch der Dresscode-Leitfaden des Emily Post Institute beschreibt sämtliche Stufen von Casual bis White Tie, ohne Uhren überhaupt zu erwähnen. Was kursiert, sind gewachsene Stilkonventionen aus Fachpublizistik und Handel. Eine einzige überlieferte Ausnahme gibt es: Zu Black Tie und White Tie wird keine sichtbare Armbanduhr getragen, eine Taschenuhr ist zulässig.
Zweitens, „no brown in town“. Die Wendung stammt aus der Londoner Tradition und trennte Stadtgarderobe von Landgarderobe. Als Regel wird sie im deutschen Büroalltag kaum noch angewendet; braune Schuhe zum marineblauen Anzug sind verbreitet und gelten nicht als Fehler. Zu schwarzen Anzügen bleibt der schwarze Schuh die geläufigere Wahl. Wie sich Braun und Schwarz überhaupt vertragen, ist im Beitrag zum Kombinieren von Braun und Schwarz ausgeführt.
Drittens, der unterste Sakkoknopf. Dass er offen bleibt, ist keine Etiketteregel mit Sanktion, sondern eine Folge des Schnitts: Einreiher sind unten so gearbeitet, dass sie Bewegung zulassen, geschlossen ziehen sie Falten über der Hüfte. Beim Zweireiher gilt das nicht in gleicher Form. Wer den Grund kennt, muss sich die Regel nicht merken.
Konventionen funktionieren auch ohne Kodifikation. Der Unterschied im Status hilft bei der Frage, wann man abweichen darf.Zur Trennung von Norm, Konvention und Mythos in der Bürokleidung
Am Kundentermin.
Im Vertrieb, im Außendienst und in der Immobilienvermittlung greift eine andere Logik als im eigenen Büro, weil dort die Erwartung des Gegenübers den Rahmen vorgibt. Die Faustregel, die sich in diesen Berufen hält, lautet: eine halbe Stufe über dem Kunden, nicht zwei.
Die Branche des Termins ist maßgeblich. Beim Handwerksbetrieb erzeugt der dunkle Anzug mit Krawatte Distanz statt Kompetenz; in der Rechtsabteilung einer Bank tut das Polohemd dasselbe, nur in die andere Richtung. Ein fester Dresscode für den Außendienst wäre deshalb an jedem Tag ein anderer.
Aus dieser Beweglichkeit folgt der einzige belastbare Rat für diese Berufsgruppe. Die Kleidung wechselt je Termin, Tasche, Schreibgerät, Geldbörse und Uhr wechseln nicht. Sie sind bei jedem Kunden dieselben und tragen deshalb über den Tag hinweg mehr Wiedererkennung als jedes Sakko. Wer täglich vier Termine in vier Branchen hat, investiert sinnvoller in die Ebene, die konstant bleibt.
Die Ebene, die konstant bleibt.
Bei Tasche, Schreibgerät, Geldbörse und Uhr sprechen wir aus eigener Sortimentskenntnis. Zwei Beispiele aus dem Sortiment.
Mehr davon in der Übersicht der Konferenzmappen und bei den Kugelschreibern.
Was bleibt.
Der Dresscode Business ist eine Konvention mit vier Stufen, von denen nur die strengste einigermaßen fest beschrieben ist. Er hat sich messbar gelockert, und die Zahlen dazu sind eindeutiger als die Ratgeberliteratur. Was als Regelwerk auftritt, ist zu großen Teilen gewachsene Gewohnheit, die man kennen sollte, um bewusst davon abweichen zu können.
- Business und Business Attire meinen dasselbe. Anzug, einfarbiges Hemd, geschlossene Schuhe, Krawatte optional.
- Business Casual hat keine belastbare Definition. Im Zweifel an den Führungskräften des eigenen Hauses orientieren.
- Die Krawatte ist Anlasskleidung geworden, kein Tagesstück. Zwei Prozent können sich vorstellen, sie täglich zu tragen.
- Für Uhren zum Anzug gibt es keine Norm. Einzige überlieferte Ausnahme: zu Black Tie keine sichtbare Armbanduhr.
- Im Außendienst zählt die Branche des Kunden, nicht die eigene. Eine halbe Stufe darüber, nicht zwei.
- Was konstant bleibt, sind Tasche, Schreibgerät, Geldbörse und Uhr. Sie überstehen jede Stufe.
Wer den größeren Zusammenhang sucht, in dem diese Codes stehen, findet ihn im Beitrag zur Bedeutung von Old Money. Dort geht es um den Unterschied zwischen einer Herkunft und einem Kleiderschrank, und darum, warum sich der eine nicht kaufen lässt.
