Sandelholz: zwei Bäume, ein Name.
Sandelholz gilt vielen als Inbegriff von Duft und Räucherwerk. Hinter dem Namen stehen jedoch zwei völlig verschiedene Hölzer: das duftende weiße Santalum album und das tiefrote, geruchlose Pterocarpus santalinus. Dieser Ratgeber trennt beide klar und erklärt Herkunft, Farbe, Duft, Härte, Preis und Schutzstatus.
Sandelholz bezeichnet zwei botanisch verschiedene Hölzer. Weißes Sandelholz (Santalum album) ist das duftende Holz des ätherischen Sandelöls. Rotes Sandelholz (Pterocarpus santalinus) ist tiefrot, nahezu duftlos und mit rund 1.010 kg/m³ so schwer, dass es in Wasser sinkt. Es steht unter CITES-Schutz und ist das Holz, aus dem rote Holz-Schreibgeräte gedrechselt werden.
Was ist Sandelholz?
Das eine Sandelholz gibt es nicht. Der Name vereint zwei Bäume aus zwei verschiedenen Pflanzenfamilien, die außer der Bezeichnung kaum etwas gemeinsam haben.
Das erste ist das weiße oder echte Sandelholz, botanisch Santalum album, aus der Familie der Sandelholzgewächse. Es wächst halbparasitär und zapft mit seinen Wurzeln Nachbarpflanzen an. Bekannt ist es für sein duftendes Kernholz, aus dem das kostbare ätherische Sandelöl gewonnen wird.
Das zweite ist das rote Sandelholz, botanisch Pterocarpus santalinus, ein Hülsenfrüchtler und damit näher mit Palisander verwandt als mit dem weißen Sandelholz. International heißt es Red Sanders oder Red Sandalwood. Es ist tiefrot, extrem dicht und, anders als sein Name vermuten lässt, nahezu geruchlos. Genau dieses Holz landet in roten Holz-Schreibgeräten.
Wer über Sandelholz spricht, muss also zuerst klären, welches gemeint ist: das Duftholz oder das Rotholz. Der Rest dieses Ratgebers folgt genau dieser Trennung.
Dichte, Härte und Charakter.
Zwischen den beiden Sandelhölzern liegen Welten. Rotes Sandelholz gehört zu den schwersten und härtesten Nutzhölzern überhaupt. Die Wood Database nennt für altes Kernholz eine Dichte um 1.010 kg/m³, damit sinkt es in Wasser, sowie eine Janka-Härte von etwa 2.940 lbf. Weißes Sandelholz ist mit rund 720 kg/m³ und 1.520 bis 1.680 lbf (USDA Forest Products Laboratory) deutlich leichter und besser schnitzbar.
| Holz | Dichte (kg/m³) | Janka (lbf) | Duft | Farbe |
|---|---|---|---|---|
| Rotes Sandelholz (Pterocarpus santalinus) | ~ 1.010 | ~ 2.940 | nein | tiefrot |
| Weißes Sandelholz (Santalum album) | ~ 720 | 1.520-1.680 | ja | hell, blassbraun |
| Palisander | 830-900 | ~ 2.350 | ja (frisch) | braun, gestreift |
| Ebenholz | 1.000-1.200 | > 3.000 | nein | tiefschwarz |
| Mahagoni | 590-640 | ~ 900 | nein | warm rotbraun |
Die Werte streuen je nach Herkunft, Alter und Feuchte des Holzes. Junges Plantagenholz des roten Sandelholzes liegt niedriger, altes Kernholz höher. Entscheidend bleibt: Rotes Sandelholz spielt in der Liga von Ebenholz und Palisander, das duftende weiße Sandelholz ist ein mittelschweres, weicheres Holz.
Rotes Sandelholz ist so dicht, dass es in Wasser sinkt. Das duftende weiße Sandelholz lässt sich dagegen fein schnitzen.Aus der Praxis · Andre Hörner
Farbe, Duft und woher der Name kommt.
Der auffälligste Unterschied ist die Farbe. Weißes Sandelholz ist frisch hell bis blassgelb-braun und dunkelt mit der Zeit langsam nach. Rotes Sandelholz leuchtet dagegen in einem satten Blutrot bis Rotviolett und wird über die Jahre unter Lichteinfluss nahezu schwarz. Diese Rotfärbung ist das Markenzeichen des Holzes.
Beim Duft kehrt sich das Bild um. Nur das weiße Sandelholz riecht, und zwar unverwechselbar warm und cremig-holzig. Verantwortlich ist der Inhaltsstoff Santalol, der sich im Kernholz erst nach zwanzig bis dreißig Jahren voll ausbildet. Aus diesem Holz stammt das teure Sandelöl für Parfüm und Räucherwerk.
Rotes Sandelholz enthält kein solches Öl. Es ist praktisch geruchlos. Sein Name spielt allein auf Farbe und Herkunft an. Wer bei einem roten Holz-Schreibgerät einen Sandelholzduft erwartet, wird ihn nicht finden, dafür einen warmen, lebendigen Rotton, der jedes Stück zum Unikat macht.
Arten und Herkunft: Indien, Australien, Eastern Ghats.
Beide Sandelhölzer stammen aus Asien, wachsen aber in sehr unterschiedlichen Regionen und Beständen:
| Art (botanisch) | Familie | Herkunft |
|---|---|---|
| Weißes Sandelholz (Santalum album) | Santalaceae | Südindien (Mysore), Indonesien; heute vor allem Plantagen in Australien |
| Rotes Sandelholz (Pterocarpus santalinus) | Fabaceae | Endemit der Eastern Ghats, Südindien (Andhra Pradesh) |
Weißes Sandelholz aus Mysore galt lange als Qualitätsmaßstab. Weil die natürlichen Bestände übernutzt sind, kommt der Großteil des heute gehandelten Sandelholzes inzwischen aus australischen Plantagen. Rotes Sandelholz dagegen wächst natürlich nur in einem eng begrenzten Gebiet Südindiens, was es besonders selten macht.
Daneben kursieren weitere Bezeichnungen wie Gelbes oder Falsches Sandelholz sowie regionale Arten in Afrika und Amerika. Für Schreibgeräte und den Duftmarkt zählen aber praktisch nur diese beiden Hölzer.
Wie teuer ist Sandelholz?
Sandelholz ist in beiden Formen teuer, aus unterschiedlichen Gründen. Vier Faktoren treiben den Preis:
- Langsames Wachstum. Das duftgebende Kernholz des weißen Sandelholzes bildet sich erst nach zwanzig bis dreißig Jahren aus.
- Übernutzung. Jahrhundertelange Nutzung hat die natürlichen Bestände beider Arten stark verkleinert.
- Schutz und Handelsgrenzen. Indische Exportbeschränkungen beim Öl und der CITES-Schutz des roten Sandelholzes begrenzen das legale Angebot.
- Seltenheit und Nachfrage. Rotes Sandelholz erzielt vor allem in China Spitzenpreise, was Schmuggel und weitere Preissteigerungen befeuert.
Echtes Sandelöl zählt heute zu den teuersten ätherischen Ölen überhaupt. Und weil legales rotes Sandelholz knapp ist, wird es sparsam eingesetzt, dort, wo eine kleine Menge die größte Wirkung entfaltet, etwa als Korpus eines feinen Schreibgeräts.
Ist Sandelholz geschützt?
Ja, beide Arten stehen unter Beobachtung, in unterschiedlichem Grad. Rotes Sandelholz (Pterocarpus santalinus) ist im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES gelistet. Der grenzüberschreitende Handel mit Rohholz ist damit an Nachweise gebunden. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art seit 2021 wieder als gefährdet ein, nach einem geschätzten Rückgang von mehr als der Hälfte über drei Generationen.
Weißes Sandelholz (Santalum album) steht nicht in den CITES-Anhängen, gilt der IUCN aber als verwundbar. In Indien unterliegt es strengen staatlichen Kontrollen und Exportbeschränkungen. Für Verbraucher heißt das: Fertige Kleinprodukte aus legalem Bestand sind unproblematisch, beim Rohholz und beim Öl entscheidet die Herkunft.
Nicht alles, was nach Sandelholz duftet, ist echtes Sandelholz. Häufig steckt Amyris (Amyris balsamifera) dahinter, auch Westindisches Sandelholz genannt. Es ist ein Rautengewächs, botanisch kein Sandelholz, und dient als günstiger Duftersatz. Wer echtes Öl sucht, achtet auf die Angabe Santalum album statt auf den Sammelbegriff Sandelholz allein.
Wofür wird Sandelholz verwendet?
Die Verwendung folgt der Trennung der beiden Hölzer:
- Duft und Kosmetik. Weißes Sandelholz liefert das ätherische Sandelöl für Parfüm, Seifen, Räucherwerk und Aromatherapie.
- Möbel und Instrumente. Rotes Sandelholz wird wegen seiner Dichte und Farbe für Möbel und Musikinstrumente genutzt.
- Drechselwaren. Aus rotem Sandelholz entstehen Schachfiguren, Zierobjekte und die Korpusse feiner Schreibgeräte.
- Farbstoff. Rotes Sandelholz liefert den roten Farbstoff Santalin, historisch für Textilien und Lasuren.
Für ein Schreibgerät ist rotes Sandelholz ein geeignetes Material: dicht genug für präzises Drechseln, hart genug für eine dauerhafte Politur und mit einer Maserung, die jedes Stück leicht anders ausfallen lässt.
Schreibgeräte aus rotem Sandelholz.
Bei Hörner kommt das rote Sandelholz dort zum Einsatz, wo eine kleine Menge des dichten Holzes am meisten wirkt: als warm gemaserter Korpus. Persönlich gravierbar und in der Geschenkbox geliefert.
Mehr über die Schwesterhölzer lesen Sie in den Ratgebern Ebenholz, Mahagoni und Palisander. Eine Übersicht aller Schreibgeräte finden Sie in der Schreibgeräte-Kategorie.